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Der Feldzug gegen die Hereros.
fremden Eindringlinge eine Mißstimmung, die nur auf einen Anlaß und eine günstige Gelegenheit zum gewaltsamen Ausbruch lauerte. Was diesen schließlich herbeiführte — ob die immer mehr zunehmende Verschuldung der Eingeborenen, rücksichtslose Gewinnsucht und Übergriffe einzelner deutscher Händler oder die friedliche Politik der Regierung, die von den kriegliebenden Eingeborenen nur als Schwäche ausgelegt wurde, oder was sonst — dies hier zu ergründen, ist zwecklos; denn waren es nicht diese Anlässe, so hätten sich tausend andere geboten. Kommen mußte die große Auseinandersetzung mit den Eingeborenen mit zwingender Notwendigkeit. Keine noch so geschickte Politik hätte diesen Nassenkampf abzuwenden vermocht. In allen später angeführten Gründen ist niemals die eigentliche Ursache zu erblicken; diese war tieferliegend und ist — es sei nochmals betont — in der freiheitliebenden, kriegerischen Art der eingeborenen Stämme zu suchen, die sich gegen jeden kolonisierenden Eindringling bis aufs äußerste zu wehren fest entschlossen waren. Nur die richtige Bewertung der hohen kriegerischen Tüchtigkeit dieser starken selbstbewußten Rassen, die Jahrzehnte hindurch von Raubkriegen gelebt hatten und im Wasfenhandwerk geübt waren, kann uns ein richtiges Verständnis für die Schwierigkeiten der deutschen Kriegführung, die Zähigkeit des geleisteten Widerstandes und die lange Dauer des Krieges geben.
2. Ser Ariegsschauplah.
Um die kriegerischen Ereignisse verstehen zu können, muß man sich den Kriegsschauplatz selbst, seine Eigenart und Gestaltung sowie sein Klima vergegenwärtigen. Die Küsten- Der zwischen dem Kunene- und Oranjefluß liegende Landstrich, der heute das °"^Ob r^ deutsch-südwestafrikanische Schutzgebiet bildet, ist, wie bereits erwähnt, durch seine flachen- geographische Lage ein schwer zugängliches Gebiet. Nur ein wirklich guter Hafeu, gestaltung. die Lüderitzbucht, und einige wenige minder brauchbare Reeden, wie Swakopmund, Ogdenhafen, Sandwichhafen, gestatten dem Seefahrer das Landen an der durch Nebel und Brandung gefährlichen Küste. Alle Landungsstellen mit Ausnahme von Lüderitzbucht sind der Gefahr ausgesetzt, durch die von dem kalten Benguelastrom nach Norden geführten Sandmassen allmählich versperrt zu werden. Diese fast unzugängliche Küste wird vom Hinterlande außerdem noch durch einen 80 bis 100 Km breiten Gürtel völlig öder, niederschlagsarmer Sand- und Steinwüsten getrennt. Nur im äußersten Norden und Süden zeigen wasserführende Flüsse, der Kunene und der Orcmje, den Weg iu das Innere. Die tiefeingerissencn, von hohen Gebirgswällen umschlossenen Flußbetten des Hoanib, Ugab, Omaruru, Swakop, Kuiseb sind hingegen wasserarm nnd begünstigen das Vordringen von der Küste nur wenig; erst mühsam muß das unter einer dicken Decke weißen Flugsandes an einzelnen Stellen verborgene Süß- wasscr gesucht und ergraben werden.
, Erst nach Überwindung des öden Küstenstrcifens erreicht man das fruchtbarere Hochland, das terrassenförmig bis zur Höhe der bedeutendsten deutschen Mittelgebirge