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Meine Kriegs-Erlebnisse bei den Buren / von Karl Baumgart. Mit einem Geleitwort von A. H. Schiel
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Rriegsgefangen in Johannesburg.

Natürlich konnte ich, dem mau es sofort nachweisen konnte, daß ich gefochten hatte, auch nicht lange in goldener Freiheit leben.

Eines schönen Tages erschien ein Offizier mit einigen be­waffneten Kriegsknechtcn in unserer Wohnung und verlangten, den Deutschen zu sehen, der in der Front war, Sie wurden an mein Bett geführt und überzeugten sich, daß ich transport- uufähig wäre, beuahmeu sich dabei sehr anständig und verließen mit dem Befehl die Wohnung, daß ich mich sofort bei dem Kapitän meines Distriktes als Kriegsgefangener zn melden hätte, sowie ich transportfähig wäre.

Der Monat Jnni verging unter Hangen und Bangen uud unsäglichen Schmerzen, zwei Mal war es schon beinahe vorbei mit diesem Erdeulcbeu, aber meine gute Natur half darüber weg, und als zwei Operationen von Dr. Graf und zwei anderen deutschen Aerzten gemacht waren, kam endlich die erhoffte Besse­rung, sodaß ich Anfang Juli iu das Haus meines früheren Direktors, des Herrn Bergassessor F., gebracht werden konnte, dem ich schon so viel zu verdanken hatte uud der mich auch jetzt wieder mit großer Liebenswürdigkeit bei sich aufnahm, obwohl ein nach Jodoform riechender, hilfloser Schwerverwundeter in einem Privathansc nicht gerade zur Gemütlichkeit beiträgt.

Ich hatte nnn das Vergnügen, jeden Tag von einem eng­lischen Offizier besucht zu werden, der sich liebevoll erkundigte, ob ich noch vorhanden wäre. Später, wie ich ausgehen konnte, mußte ich mich täglich bei dem Distriktskapitäu melde».

In diesen Wochen hörte man täglich Kanonendonner oder wenigstens Kleingewchrfcner. Täglich wnrden die englischen Vorposten von herumziehenden Burenkvmmandos beunruhigt, obwohl in Johannesburg, iu Pretoria uud zwischen diesen Städten, in Elandsfontein und Irene, 'große englische Garnisonen waren.

Wenn mau dann einen Offizier fragte, was das Schießen zu bedeuten hätte, wurde stets geantwortet:Das ist nicht Schießen, in der Nähe der Stadt werden Wege gebaut uud da wird gesprengt."