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Der darauffolgende Tag verging ruhig. Am Abend saßen wir nach alle vergnügt um die Feuer zusammen.
Niemand ahnte, daß mancher liebe Kamerad heute znm letzten Male in unserer Mitte weilte.
Taun begab sich alles znr Rnhe, Nnr ans den Lagern neben uns tönte eintönig nnd schwermütig der Psalmcugesaug der Burcu hinauf zu dein von unzähligen Sternen slimmerndcn Himmel: „Herr, steh uns bei in unserer Not, Herr, hilf uns!"
Gefecht am Vogelstrauß-Kopf.
Ich stand heute Nacht auf Kanipwachc. Mit dem Gewehr im Arm ging ich zwischen den Reihen der schlaseudcu Kameraden ans nnd ab. Alles lag in tiefer Ruhe, die Fener waren verloschen, der Himmel Halle sich verdunkelt, und hier in der Einsamkeit zogen die Gedanken zn den Lieben im fernen Deutschland, Wie mag es ihnen gehen, lauge schon hatten !vir keine Briefe in die Front bekommen. Ob man sie noch einmal wiedersehen wird, ob sich die Wünsche nnd Hoffnungen alle erfüllen werden?
Aus diesen schwermütigen Gedanken wurde ich durch Pserde- gctrappcl geweckt.
Es ist ein Meldereiter des Generals, „^v-wi- is äs Kam. manä-mt?" rnft er mir schon vvu weitem zu,
Befehl vom General: Die Teutsche» machen sich sofort marschfertig und verstärken die Stellungen auf den Höhen bei den Vlvemsontcincr Wasserwerken.
Schnell gebe ich den Befehl an Hanptman» Lorenz weiter nnd rüttele meine Kameraden auf.
In knrzcr ^Zeic sind wir inarschsertig nnd sort geht es dnrch die Steppe unseren neuen Stellungen entgegen. Still ist es bei dies«» Nachtritt in unserer Marschkolonne, teilnahmslos trabt jeder dahin, mit seinen Gedanken beschäftigt. Doch, wenn sie trübe waren, die ausgehend- Sonne läßt alles im goldenen Lichte erstrahlen. Einige stimme» ei» lustiges Soldatenlied an, in das alle von Herze» einstimmen.