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Im deutschen Diamantenlande : Deutsch-Südwestafrika von der Errichtung der deutschen Herrschaft bis zur Gegenwart (1884-1910) / von Kurd Schwabe
Entstehung
Seite
53
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4. Kapitel.

Ein kühner Gegner.

Die Naman, ^ Zwei Werfälle, Nach Rehoboth, Die Witbooi vor Windhuk,

urz nachdem wir von unserem Zuge zurückgekehrt waren, durch­schwirrten die verschiedensten Nachrichten über die Flucht des ganzen Witbooi-Stammes das Land, Nach einer derselben sollte Hendrik aus Furcht vor den Geschützen zu den Zwartbooi im Kaokoselde, nach einer anderen auf englisches Gebiet sich geflüchtet haben. Jedoch stellten sich diese Nachrichten bald als vollständig erfunden heraus.

Es dürfte hier am Platze sein, einiges über die Fechtweise der Hotten­totten zu sagen.

Im Juni 1893 schrieb ich nach der Heimat:

Die Hottentotten, mit denen wir hier kämpfen, gehören entschieden zu den beachtenswertesten Gegnern, die jemals in einem Kolonialkriege euro­päischen Truppen gegenübergestanden haben. Wenn sie auch von Natur jeder Arbeit abhold und unverschämte Bettler von maßlosem Stolze sind, so werden sie doch von ihrem energischen Häuptling in strenger Zucht und straffer Disziplin gehalten. Im Kriege ausgewachsen, geschickte Reiter von leichten: Gewicht, im Felddienst sast unübertrefflich, auch im Gebrauch hoher Visiere geübte sichere Schützen, sind sie, ausschließlich mit Hinterladern modernster Konstruktion und meist englischen Ursprungs bewaffnet, sehr gefährliche Gegner. Ihre Fechtweise ist die unserer Infanterie, uud sie stehen in dieser Beziehung vollständig auf der Höhe der Zeit. Sie bringen Fußvolk und Reiter ins Gefecht, doch schießen sie nie vom Pferde, sondern springen stets ab, Marschiert wird meist ohne Benutzung der Wege querfeldein, oft in breiter Front, doch sind sie auch außerordentlich geschickt, aus der Kolonue Schützenlinien herzustelleu. Bald wie die Schlangen kriechend, bald in ge­strecktem Lauf von Busch zu Busch, von Klippe zu Klippe sich deckend, pürschen sie sich auf günstige Schußweite an den Gegner heran. Hieraus erhellt, daß die Ziele, die sie unseren Schützen darbieten, fast nie größer als Kopfscheiben sind, daß wirklich gute Schützen dazu gehören, um einem solchen