2. Kapitel.
Von Walfischbai nach Windhuk.
Bindung in Walfischbai. — Längs des Swakop ins Innere. — Ankunft in Windhuk.
war am 16. März 1893 in aller Morgenfrühe. Mit scharfem Kiel durchschnitt der „Karl Woermann" die hohe Dünung des Atlantischen Ozeans. Feucht-kalter, undurchsichtiger Nebel lag über den Wassern, aber obwohl uns alle, die wir eben südwärts-eilend die Tropen durchfahren hatten, fröstelte, herrschte schon zu ungewöhnlich früher Stunde an Bord reges Leben. Sollte«: wir doch heute nach langer, vierwöchiger Seereise Südwestafrika, unsere neue Äeimat für Jahre hinaus, erreichen. Die Brücken und Decke des Dampfers wimmelten von Menschen, die durch den Nebel hinüberspähten nach Osten, nach dem Lande unserer Sehnsucht.
Wie weit lag die Zeit schon zurück, da wir das stolze Hamburg verlassen hatten und die Elbe hiuabgedampft waren, und wie fremd, wie unbekannt und doch verheißungsvoll lag unsere neue Äeimat vor uns! Es war wenig, was wir über sie erfahren hatten. Wohl wußten wir, daß dort die Äottentotten und die Äerero sich Jahrzehnte hindurch bekämpft und zerfleischt, wohl auch, daß sie vor kurzem Frieden geschlossen hatten und sich nun gemeinschaftlich gegen die Deutschen wenden zu wollen schienen; das war aber auch alles! Wie mochte es jetzt im Lande aussehen? War etwa schon der Äauptmann v. Francois, der mit einer kleinen Truppe von 50 deutschen Soldaten dort draußen die Wacht hielt, von den vereinigten Eingeborenen angegriffen worden? Konnte seine kleine Macht nicht schon dem Ansturm erlegen sein? Das waren die Fragen, die wohl jeden von uns beschäftigten, denn wir wußten: Wir waren die Äilfe, die Äauptinann v. Francois aus der Äeimat erbeten hatte. Schon in Berlin war uns gesagt worden, daß der trotzige Namafürst .Hendrik Witbooi nach dem Friedensschlüsse mit den Äerero stolzer denn je sein Äaupt erhöbe und die deutsche Schuhherrschaft
Schwabe, Im deutschen Diamantenlande. Z