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Dreißig Jahre in der Südsee : Land und Leute, Sitten und Gebräuche im Bismarckarchipel und auf den deutschen Salomoinseln / von R. Parkinson. Hrsg. von B. Ankermann
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Verbreitung der papuanischen Sprachen.

e) Die Stämme des westlichen Neupommern und der Französischen Inseln.

Je weiter wir auf Neupommern nach Westen fortschreiten, desto weniger wissen wir über das Leben der dortigen Bevölkerung. Vom Sankt-Georgs-Kanal bis zur Dampierstraße ist nur eine Ansiedlung von Europäern vorhanden, und die gemachten Beobachtungen sind infolge mangelnder Sprachkenntnisse äußerst lückenhaft und ungenau. Mit der Landschaft Nakanai unterhalten die Eingeborenen einzelner nördlicher Distrikte der Gazellehalbinsel allerdings einen regen Verkehr, aber was sie uns von den Sitten und Gebräuchen der Nakanaileute mitteilen, klingt vielfach recht unglaublich und muß eum Zrano sslis aufgenommen werden. Nach den Erzählungen dieser Gazellehalbinsel-Argonauten sind die Nakanaileute ihnen in jeder Äinsicht tief unterstellt, und sie gefallen sich in Schilderungen, welche den Zweck haben, sie als bessere und voll­kommenere Menschen darzustellen. Dies ist ein charakteristischer Zug aller Eingeborenen; alle erdenkliche Schlechtigkeiten werden dem lieben Nachbar in die Schuhe geschoben^ manchmal ohne alle Veranlassung, und wir können ziemlich sicher annehmen, daß die Wirklichkeit sich bei näherer Bekanntschaft ganz anders präsentiert.

Äber den Stamm der Sulka sind wir bereits recht gut unterrichtet. Durch W. Schmidt (Globus Band I_XXXVI Nr. 5), dem die Auf­zeichnungen des Äerrn Pater Bley über die Sulkasprache zur Beur­teilung vorgelegen haben, wissen wir, daß dieselbe denpapuanischen Sprachen" zugesellt werden muß, d. h. Sprachen, welche keine Be­ziehungen zum asiatischen Festlande erkennen lassen, im Gegensatz zu den austronesischen oder malaiopolynesischen Sprachen" (polynesischen, mela- nesischen, indonesischen), welche bezüglich ihres Ursprunges auf das südliche Äinterindien, ja möglicherweise bis auf das nördliche Vorder­indien hinweisen. Dasselbe gilt von der Nakanaisprache wie von der Bainingsprache, und wir dürfen wohl annehmen, daß je weiter wir auf Neupommern nach Westen kommen, um so vorherrschender das Papua­element sein wird. Soweit uns die Ethnographie dieser Gegenden be­kannt ist, zeigt sie überwiegend papuanische Züge und stimmt also mit der Verbreitung der Sprachen überein.