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Der Kilima-Ndjaro : Forschungsreise im östlichen Äquatorial-Afrika ; nebst einer Schilderung der naturgeschichtlichen und commerziellen Verhältnisse sowie der Sprachen der Kilima-Ndjaro-Gebietes / von H. H. Johnston. Aus dem Engl. von W. v. Freeden
Entstehung
Seite
373
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NEUNZEHNTES KAPITEL. ANTHROPOLOGIE.

Die Menschenrassen, welche ich zum Beginn dieses Ka­pitels aufzuzählen im Begriff stehe, breiten sich über den Theil des östlichen Afrika aus, welcher zwischen 1° nörd­licher Breite und 5° südlicher Breite liegt, und im Westen vom Victoria-Njansa und 34° östlicher Länge, im Osten aber vom Indischen Ocean begrenzt wird. Der Vergleichung halber wünsche ich alle bekannten Kassen zu mustern, welche diese weiten Landstriche bewohnen, doch werde ich specieller die in der Nähe des Küima-Nüjaro wohnenden Stämme beschreiben, weil ich während meines Aufenthalts in jener Gegend mit ihnen in persönliche Berührung ge­kommen bin.

Das zwischen dem Victoria-Njansa und der Küste so­wie den eben angegebenen nördlichen und südlichen Grenzen belegene Land bietet gewisse Eigenthümlichkeiten in seiner Formation, welche eine Wiedererwähnung um so mehr ver­dienen, als dieselben von zweifellosem Einfluss auf die dort wohnenden Menschenrassen gewesen sind. Jenseit des frucht­baren angebauten Küstengürtels, welcher selten mehr als 16 km breit ist, beginnt die Njika, eine seltsameWildniss", wie ihr Name andeutet, bedeckt mit hartem abstossendcn Pflanzenwuchs und fast von allem fiiessenden Wasser entblösst. Der Regen ist dürftig, und das Land hat das ganze Jahr hindurch ein vertrocknetes Aussehen. Dieses, ausser wo Ge­birgsketten und grosse Flüsse es durchbrechen, halb wüste Land erstreckt sich ununterbrochen bis auf geringe Ent-