FÜNFTES KAPITEL.
AM HOFE VON MANDÄRA.
Bevor ich meine erste Zusammenkunft mit Mandara, dem Fürsten von Moschi, beschreibe, wird es passend sein, wenige erklärende Worte über seine gegenwärtige Stellung und seinen frühem Lebenslauf vorauszuschicken.
Auf den Rath von Sir John Kirk hatte ich zunächst meine Schritte nach seinem Königreiche und seiner Hauptstadt gelenkt, denn wir bildeten uns beide ein, dass ich blos diese Persönlichkeit für mich zu gewinnen hätte, um frei und ungehindert über das ganze Gebiet des Kilima-Ndjaro mich bewegen zu können.
Das war jedoch ein grosser Irrthum — obgleich es lange dauerte, bis ich zu dieser Erkenntniss kam — weil Mandara nur über einen sehr kleinen Strich Landes und obendrein nur bis 1800 m Höhe herrschte; da er zudem mit seinen Nachbarn beständig in Fehde lag und sein kleines Königreich sich in fortwährendem Blokadezustand befand, so war sein Schutz, insofern er mir ein ruhiges Wohnen auf den obern Abhängen des Berges sichern sollte, schlimmer als nutzlos. Wäre nicht die gezwungenerweise in Mandara's Land zugebrachte Zeit von geringem Nutzen für naturhistorische Zwecke gewesen — denn ich durfte nicht vergessen, dass ich hierher gekommen war, um hauptsächlich die Alpengegend in der Nähe der Schneelinie zu erforschen, und nicht die reiche, aber gewöhnlichere afrikanische Fauna und Flora in den niedern