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Auf dem Rückmarsch von Tabora trafen wir keinen einzigen fließenden Fluß, dagegen in den Flußbellen überall ans 1' . bis >_> Bieter liefe Wasser, nnd die Eiu- aeboreueu hatten dort hübsche Gärten nnd Banmwollseloer angelegt.
Wenn sich die Vermutung bestätigt, die viel Wahrseheinlichleil hat, das; dort die Flüsse nnlerirdisch fließen, dann hätte man das schönste Banmwollland znm Plantagen betrieb und für Eingeborenenkultur: deuu dann wäre Bewässerung möglich. Daß Banimvolle dort gedeihen kauu, zeige die Banunvollpslanzung des Herrn Wiegand in Nera nnd zeigten'uus die von Negern bestellten Banmwollfelder. ^etzl ist die Ernte aber vom Negensall abhängig.
Es wird eine dankbare Ansgabe der Negiernng lind des Kolonialivirlschaftlichcn Komitees sein, die Wasserverhältnisse in Unjannvesi nnd iin ^Vinanzabezirk zn untersuchen. Ich glaube, daß es dann angenehme Ueberraschnngen geben wird, die sich auch für Baumwolle ausnutzen lassen werden, da dann die Unabhängigkeil von Niederschlagen gesichert ist.
Natürlich hat die Reise des Staatssekretärs Ternburg anßer dein Angegebenen eine Fülle anderer Ergebnisse gebracht, darunter auch organisatorischer Art auf dem Gebiete der Verwaitnng. Hieranf jetzt schon näher einzugehen widerspricht dem ^weck der Reiseberichlerstatlung, welche nur das Wichtigste hervorheben kann.
XXIII.
Schluszwvrt.
Dernburg im Gegensatz zu deu Kolonisten. Unstimmigkeit zwischen dem Staatssekretär uud dem Gouverneur Freiherrn v. Nechenberg. ?er Gouverneur.
Mit dankenswerter Objektivität ist von der Kommission des wirlschasllichen Verbandes der Nordbezirke das Ergebnis der in Brief XIX und XX geschilderten Perhandlungen zwischen dem Verbaud uud dem Staatssekretär Dernburg als Beilage der in Tauga erscheiueudeu Ufambarapost verössentlicht worden.
Ein Teil der deutscheu Presse hat aus dieseu Perhaudluugeu den Schluß gezogen, es sei eine unüberbrückbare Kluil zwischen dem weiter der Kolonialverwaltung einerseits und den Pflanzern, Kaufleuten und Ansiedlern andererseits entstanden. l>'ine wahre Erbitterung herrscht gegen Ternburg, so schlecht habe er die Deutschen im Schutzgebiet im Gegeusatz zu den Eingeborenen behandelt. Was ist hieran Wahres? Wenn in irgend einem großen geschäftlichen Unternehmen oder einem Ztaalsamte ein Wechfel in der leitenden Person eintritt, so gibt es eine Menge von Interessenten, die aus diesem Wechsel eiueu Vorteil ziehen hoffen, üft sind diese Interessenten entgegengesetzter Natur, uud es ist klar, daß nur einige wenige Berücksichtigung finden können. So war es auch, als Ternbnrg die Leitung des Neichslolonialamts übernahm, und mit fester Hand in die Zügel griff, nm zu versuchen, den Kolonialtarren wieder flott zu machen. Es gab da in nnferen Kolonien nicht ein geschäftliches oder landwirtschaftliches Unternehmen, nicht einen Ansiedler, nicht eine Kategorie von Beamten oder Militärs, die nicht gehofft hätten, daß der neue Herr ihuen Vorteil bringen, ihren persönlichen Interessen dienen könne.
Ter plötzliche Umschwung iu deu Verhältuisseu uuserer Kolonialverwaltung und der Eindruck der damaligen politischen Vorgänge war so groß, daß ein solcher ^rli mismus wohl zu verstehen ist.
Nun kam Ternburg uach Teutsch-^stafrika. Aber für ihu galt es nicht, das Wohl und Wehe des Einzelnen zu untersuchen nnd, sich populär machend, die Einzelnen zu befragen: „Nun, mein lieber X., wo drückt dich der Schuh? Uud du, mein lieber A., wer hat dir auf die Hühneraugen getreten?"
Für ihn kam es darauf au, zu uutersucheu, wie er die Kolonie der versprochenen kommerziellen Erschließung würde entgegenführen könnte.