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Die Studienreise des Staatssekretärs Dernburg nach Deutsch-Ostafrika / von Oskar Bongard
Entstehung
Seite
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Fragen so der Erhöhung der Steuern hat sich der Herr Staatssekretär noch nicht überzeuge« lassen, andere wie die Personenlonlrolle hat er kanm gestreift. Daß mit der Selbstverwaltung vorläufig uoch uicht mehr zu erreiche,, war, lieft sich anaesichts der Haltung des 'Gouvernements voraussehen. Die Ablelmitng der Ab- änderunasvorschtäae der ^ollovdnnng ivird iu deu interessierten ^'reisen Enltänschnng dervorruseu. Die' Ansage baldiger' Verbesserung der Haseuverbälluisse und anch die Aussicht, in den Lade-'nnd ^öschverbällnissen nnd Gebilbren vorivärls zn kommen, ist ebenso ersrenttch. ivie die Aussicht, durch <>'rb^iuebnng einer Koulurrein billigere Frachten zu erhalten. Da nur beim Kautschul-SelM uicht auf geseiüiche Regelung zu rechneil haben, so werden wir durch geeiguetcu Selbstschutz das möglichste ^l! erreichen suchen. Selbsthilfe iuuerhalb der gesetzlichen Schranken dürfte überhaupt gc- eiquet fein, inanche unferer bisher noch nicht geuügeud beachteten Wünsche einer Ver­wirklichung näher zu bringen. Die Mitglieder des Verbandes müssen von der Über zenguug durchdrungen werden, daß die wirlschaslliche Arbeit des Verbandes sich erst in deu ersten Anfängen befindet und kein Baum auf den ersteu Streich fällt."

XXI.

Sansibar, den lZ. Grober 1907.

Die Baumwollkultur iu Sadani. Wieder in Tar-es-Salaam. Morogoro nnd die Feier anläßlich der Eröfsuuug der Bahn bis dorthin. Ein Überfall dnrch Löwen während des Festessens. Glimmergrnben und Arbeiternot. Abschiedsfeier im

Klub zu Tar-es-Salaam.

Von Tonga ging es am ^ Oktober nachts mit dem GonvernemeillsdampscrKaiser Wilhelm" nach Sadani, wo seitens des kolonialwirlschafllichen Komitees in Berlin, von den Griechen, Gebrüder Kangos und einigen anderen, Baumwollfelder eingelegt sind. Der Bodeu fcheiut sich besouders gut sür diese wertvolle Kultur zu eigueu, und nach den meteorologischen Beobachtungen mnßte man annehmen, daß die Niederschlage Verhältnisse ebeusalls sehr güustig seieu. Das gauze Laud von Sadaui ist aus diesen Gründen von Interessenten schnellstens belegt worden. In diesem Jahre haben sich die Erwartungen aber nicht erfüllt, denn es herrscht eine außerordentliche Trockenheit im ganzen Lande. Wie im Mnanzabezirk auf der Pflanzung von Wiegand in Nera, so steht auch um Sadaui die Baumwolle mir mittelmäßig. Gegen Regenmangel läßt sich bei Sadani ein Ausgleich schaffen, denn der Wami-Flnß erlaubt die Anlage eines der Bewässerung dienenden Kanalsystems.

Der Ausbau eines viele Kilometer langen Kanals erfordert die Auswendung eines bedeutenden Kapitals, uud weuu dies von einer privaten Seile nach h'rlangnng einer Wasserkonzession aufgeweudet wird, ist zu befürchten, daß der Anschluß au deu Haupt kaual anderen Interessenten versagt oder nur gegen hohe Gebühr gestattet wird. Bei der Erteilung vou Kouzessioueu zur Ausnntznng des Wassers des Wami ist deshalb Vorsicht geboten, und es ist zu erwägeu, ob nicht auf dem Wege der Genossenschaft allen Teilen am besteu gedieut wird. In Sadani ging es unter der Führung des Bezirksamtmanns von Bagamoyo, Dr. Hnmann, und des Perwaltnngsbeamlen von Sadani, Herrn May, zu deu Pflanzungen des kolonialwirtschaftlichen Komitees, wo Deruburg mit besonderem Interesse den Dampspflng in seiner Tätigkeit beobachtete und sich durch den Vertreter des Komitees, Herrn v. Palm. Vortrag halten ließ. Anschließend wurden die Banmwollselder der Gebrüder Kangos, die Enlkernnngsmaschmen nnd Lagerräume besichtigt. Mit dem anwesenden einen Herrn Kangos besprach der Staatssekretär sodann die Kanalisations- uud Entwässerung^ Projekte, welche von den Gebrüder Kangos aufgestellt siud. Ein Urteil über die Rentabilität des Banmwollbnnes in deutsch ^ilasrita laut sich nicht fällen, da noch