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Die Studienreise des Staatssekretärs Dernburg nach Deutsch-Ostafrika / von Oskar Bongard
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sähigkeit und nuten Zukunft der Kolonie aus. Die zwei schwierigen, aber wichtigsten Fragen seieu die der Eingcborenenbehandlnng nnd der Schaffung von Ver­kehrsmitteln. Die interessanten Ausführungen schlössen mit einem Hoch ans den Kaiser. Am uächsten Morgen führte uns der Weg in sechsstündigem Marsche über die Kaffeeplantage Kivamtoro und das Sägewerk des Herrn v. Lekow, meist durch wunderbaren Urwald mit herrlichen Ansblicken in die Steppe, hinab zu der Eisenbahn­station Nynssy, wo der Ertrazug nns zur Fahrt uach Momba, dem Endpunkt der Usambara-Eisenbahu, erwartete. Die Souue hatte es wieder gut gemeint, und wir waren freudigst überrascht, als uns im Salonwagen der Deutschen Kolonial-Eisenbahn- Bau- und Betriebs-Gesellschaft (Lenz), welche die Usambarabahn von der Regierung gepachtet hat, ein tadelloses Frühstück mit eisgekühlten Getränken serviert wurde.

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Dcir-cs-^alaam, 7. Oktober ^907.

^ernich^iaiwu ').>!euü'o, WUHelmsial, Zchnmeivatd. - ^edernholznnt^nng. - Domäne Kwai. Die Verhandlnngen Dernburgs mit demWirtschaftlichen Verband

der Nordbezirte" in Tanga.

In Mombo kamen wir am 27. September gegen 5 Uhr an. Ternbnrg besich­tigte sogleich die unter der Leitung des Herrn Veit stehende, zu Amani gehörige landwirtschaftliche Versuchsstation. Da in Amani das Gelände 400 Meter aufsteigt, dieut Mombo für die Versuche in der Tief-Ebene. Uebernachtet wurde in gelten uud am 28. September fand beizeiten der Anfbrnch nach Wilhelmstal statt, dem Sitz des Bezirksamts- von West-Usambara. Die Straße geht uugesähr 3',2 Stunden bergan uud dann noch drei Viertelstunden eben. Aber der Weg führte nicht, wie in Ost-Usambara dnrch Urwald, sondern war schattenlos, nnd erst kurz vor Wilhelmslal fing wieder die üppige Tropenvegetation an. Da die alte Fahrstraße zn starke Steiguugeu nnd zn tnrze Kehren cmsweist ist eine neue, beinahe fertige aus­gebaut worden, welche zwar zehn bis zwölf Kilometer länger ist im ganzen 37 Kilometer, aber eine bequemere 'Abfuhr der Plantagen-Erzengnisse gestattet. In Wilhelmstal, das 1450 Meter hoch liegt, siud die Nächte empfindlich kalt, und wir warm froh, daß die Beamte» des Bezirksamts und der Forstverwaltuug uus alle in ihren Wohnnngen aufnahmen. Ebenso wie in Amani wird hier zu gewissen Jahres­zeiten nnd fast immer abends europäische Kleidung getragen, nnd ^femvärme kann man iu der kalten Zeit gut vertrage«.

Der Bezirksamtmann, Geheimer Negierungsrat von Groß, hatte für alle Expe- ditiousteiluehmer ein Frühstück bereit gestellt und aus der Umgegeud einige Missionare beider Konfessionen nnd einige Pflanzer hinzugezogen, mit denen der Staatssekretär sich über die wichtigen Fragen des Bezirks unterhielt. Beim Bierabeud, deu der Be- zirtsamtmauu gab, war die Zahl der Kolonisten eine noch größere. Im Verlauf des­selben kau? es zu einer sehr interessanten Aussprache zwischeu deu Pflanzeru und Deruburg. Die Kolonisten West-Usambaras hatteu vor des Staatssekretärs Anknnft eiue Versaunnlnng inMombo abgehalten nnd eine 'AnzahlFordernngennndVorschläge ausge­stellt, die Deruburg schriftlich überreicht wurden. Die einzelnen Pnukte dieser Eingabe bildeten die Unterlage für die Tistnssion am Bierabend. ?ie Eingeborenenbe- handlnng, besonders die Arbeiterbeschaffnng, die Inder- nnd die Währuugs- sra^e, sowie die Art der Wahl der Mitglieder für den Bezirks- nnd Gouveruements- rat waren die wichtigsten Themata, die znr d'rörlernng gelangten. In Tnnga fand dann bei der Rückreise eine Besprechnug über die gleichen Gegenstände statt.

Von Wilhelmstal erfolgte am September der Weitermarsch nach dem Schnmewald, einem Urwaldgelnet, das besonders viele Zedern enthält. Die