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Die Studienreise des Staatssekretärs Dernburg nach Deutsch-Ostafrika / von Oskar Bongard
Entstehung
Seite
58
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XVIII.

?>al es ^al.i.nn, den Oktober t?07.

Abfahrt von Tanga mit der Bahn. Tie Kautschukplantage, von ^schaetzsch in Mnhesa. Die Prinz-Albrecht Plantage in Killhui (Sisal-Agaven). Das biolo gisch-landivirtschaftliche Institut iu Amani. Die 5iaffeepflanznng Derema. Die Aussichten des Kaffeebaus iu Ufambara. Die erste Hapag-Reise-Umernebmung nach

r?stasrita.

Am September abeuds kamen wir in Tanga an und verbrachten die Nacht an Bord. Am nächsten Morgen wartete unser eiu Extrazug der Usambarabalm, der uns nach den Plantagengebieten der waldigen Hochebene von Usambara bringen sollte. Die Herren von der Feder halten sich um die beiden früher erkrankten, jetzt aber wiederbergestellten Redakteure vermehrt. Herr ^innnermann, der Vertreter des Wolff- schen Bnreans, war iu Moiubaia zu uns gestoßeu, und Herr Kllrl Toeppeu, der ständige Berichterstatter desLokalauzeigers" iu Sausibar, schloß sich iu Tauga ivieder au. Zunächst giug die Fahrt durch die schöueu Palmenhaiue Tongas und dnrch die kleinen Pflanzungen der Eingeborenen, dann sing das Plantagengcbiet an, nnd kilo­meterweit führte uus das Dampfroß durch Sisal-Agaven-Pflanzungen iu allen Stadien der Entwickelung, von der Rodung an bis znr Ernte, d. h. dem Schnitt der Blätter. Auch durch Anpflanzungen von Teakholz, die recht schön standen, kamen wir. Da die Bäume erst nach 6080 Jahren ihre volle Ansnutzungssähigkeit erlangen, also erst kommenden Generationen znm Nutzen gereichen, werden sich wohl weuig Privat­leute finden, die ihr Geld hierin anzulegen suchen. In Muhesa wurde Hall gemacht, um die Kautschukpflanzung des Herrn ^schaetzsch zu besichtigen. Tie Rinde von Aluuilwt. Kla(.iovii, der iu eiuer Auzahl von cirka 500000 Bäumen auf der Plantage angepflanzt ist, liefert deu wertvollen Stoss, nach welchem durch die Aulomobiliudustrie eine so rege Nachfrage entstanden ist, daß die Produktion nicht in der Lage ist, den Bedarf zu decken.

Wenn die Bäume ein Alter von drei bis vier Iahren erreicht haben, wird mit dem Anzapfen begonnen. Mit einem scharfen und spitzeu Messer werden eine Ainahl Schnitte, oder, besser gesagt, Stiche, iu die Rinde des Banmes gemacht, ans welchem dauu der Gumnnsaft herausquillt. Da die Flüssigkeit aber auf den Boden tränfeln würde, mns; sie dazu gebracht werden, an der Rinde zn haften. Das geschieht dadnrch, daß man sie zum Gerinnen brüuu. Bevor mau dem V^iume die Schuiltivuudeu bei bringt, reibt der Arbeiter die betreffende Stelle mit einer Säure wilde Apfelsinen, verdünnte Karbolsäure, Essig usiv. ein. Der heraustretende Saft erstarrt hierdurch uud wird uach ein bis zwei Stunden eingesammelt, indem er zu mehr oder minder großen Ballen anfgewickelt wird. Zurzeit dürsten in Deutsch-ilstafrika ungefähr zwei Millionen Pflanzen von >laniliot Zl.ls'iovii vorhanden fein. In den Bezirken Tauga, Wilhelmstal und Paugaui befinden sich 50 Kautschukpflanzungen mit einem Flächen­inhalt von 6181 Hektar. Herr Zschaetzsch ist durch Fleiß und Energie, mir aus sich selbst angewiesen, in wenigen Iahren zum reichen Nimm geworden. Die Pflanzung machte einen ausgezeichneten Eindruck. Neben Kautschuk wird iu Muhesa uoch Zucker­rohr gebaut, aus dem Herr .jschaetzsch, wie wir uus über^eugeu louuteu, eiueu ganz vorzüglichen Rum breuut. ?ie Rumsabrilatwu wird uur nebenbei belriebeu, da au die Eingeborenen glücklicherweise kein Branntwein verabfolgt werden darf und der Absatz an die Europäer iu Lslasrila uur genug sein kann. Von Muhesa giug es weiter nach Station Kinhui, wo die zweite wichtige uud bedeuleudeu Nutzeu abwerfende Art des Plaulageubetriebs besichtigt werden tonnte, uämlich der Anbau der Sisal Agave und die Gewinnung des Hanfes daraus.

Herr von Horn, der zeitweilige Leiter der Prinz-Albrecht Plantage in Kinhni, empfing den Saalssekretär und gab Gelegenheit, das Schueideu der ungefähr einen Meter langen, schmalen nnd spitzen Sisalblätler, deren Eutfaseru iu deu Maschinen, das Wafchen nnd Trocknen des Hanfes und das Fertigmachen znm Versandt kennen