— 56
XVII.
!Nc>mbasa, den 2Z. September t?»7.
Die Goldfelder bei Ussongo. — Uutersuchllng der Wasserverhältnissc für Banmwollban und für die Hebung der Eingeborenen - Landwirtschaft. — Folgen der zwangswcisen Verwendung vou Wanyannvezi nnd Wafuknma als Küstenarbeiter. — Gcsnndheits zustand der Erpedition. — Nashornfang in Schirali.
Die große Safari liegt hinter uns, wir haben soeben wieder den Gonvcrnemenlo dampscr „Kaiser Wilhelm" bestiegen, der uns hier erwartete, und alles atmet erleichtert auf. denn die schwerste Arbeit ist getan, und alle sind gesnnd nnd munter. Die Karawanenstraße, welche uns von Ndala über Kassima, Makuengc, Maniongc, Samnje, Shiuange, Seke Nera, Urima nachMuanza führte, war zwar drei Tage länger, aber besser und bedeutend interessanter und lehrreicher al5 die Straße längs der Thelegraphcn- leituug, welche wir von Muauza nach Tabora gezogen waren. Wir marschierten einigemal durch verlassene Goldfelder und lagerten in Ussongo direkt neben einem tiefen Goldschacht. Als ich am nachmittag dort pürschte, fand ich die ganze Gegend von tiefen Schürfgräben durchzogen. Leider hat sich der goldsühreude Quarz als nicht gcnügeud ergiebig erwieseu, so daß die Arbeiteu wieder ciugestellt werden mußten. Einige Tagereisen weiter östlich sind jüngst Goldfelder entdeckt worden, die vorzüglich sein sollen. Tcr Staatssekretär hat deshalb den Bezirksamtmann Hermann von Tabora, der geologische Studien getrieben hat, und uns von Tabora ans begleitete, dorthin abgesandt, um über die Sachlage Bericht zu erstatten. Die Gegend ist für afrikanische Verhältnisse dicht bevölkert und weist trotz der verheerenden, glücklicherweise im Erlöschen begriffenen Viehseuche uoch großcu Vichreichtum auf.
Mau muß staune«, wenn man einen der Höfe betritt, welche abseits der Straße liegen. Man glaubt sich in dcu schmucken Hos eines in Asrita angesiedelten deutschen Kleinbauern versetzt, so sauber und zweckmäßig ist alles eingerichtet. Das ganze ist von ciuem hohen, abschließenden Zaun umgeben, innerhalb dessen sich die Wohnräume des Besitzers und die getrenut vou einander aufgeführten Stalluugeu für das Kleinvieh und die Vorralsräume für Erdnüsse, Negcrhirsc usw. befinden. Von Indolenz. Faulheil und Unsanberkeit ist da keine Spur zu scheu. Viehzucht und Feldbau wurden überall, wo wir durchzogen, betrieben. Als wir vor der Landschaft Nera wegen Wassermangels von der Karawanenstraße zwei Tagemärsche abseits marschierten, f>nd ich das Land äußerst dicht bewohnt. Kam man an einem Hofe vorbei, so waren schon wieder vier bis sünf andere iu Sicht nnd überall in der Ebene sah man Viehherden weiden. Die Flußläufe, welche wir durchschritten, waren trocken, aber auf anderthalb bis zwei Meter Tiefe war überall Wasser, und die Neger hatten in den Flußbetten uud ihrer Umgebung hübsche Gärten angelegt.
In Nera trafen wir auch einigemal anf kleine von Eingeborenen angelegte Baumwollfelder, deren Ertrag für die Wiegcmdsche Baumwollplantage bestimmt war. Da die Baumwolle in der Gegend gut gedeiht uud das Wasser in so geringer Tiefe anzutreffen ist, verlohnt es sich wohl, zu untersuchen, ob das Grundwasser oder die unterirdischen Wasserläufe mächtig genug sind, um große Beivässernngsanlagcn zu ermögliche»,. Es dürfte dies vielleicht eine dankbare Aufgabe für das Kolonial- wirtschaftliche Komitee in Berlin sein, dessen eifriger Tätigkeit die wirtschaftliche Entwickelung Tcutsch-Ostafrikas schon viel zu verdanken hat. Auch die Regierung kann durch Erforschuug nnd Verbessernng der anscheinend ganz günstig liegenden Wasserverhältnisse Bedeutendes für die Hebuug der Landwirtschaft' nnd damit für die Ver- mchruug der Ausfuhrwerte tuu. Jetzt wird infolge des Wassermangels in den von uns durchzogenen Gebieten des Mnanza- nnd Taborabezirks nnr ertensiv Landwirtsrhast durch die Neger betrieben. Der Moameflnß gibt da ein gutes Versuchsfeld ab.
Eius ist aus Teruburgs Zug vou Tabora uach Muauza unumstößlich festgestellt worden, nämlich, daß in den Gebieten, die wir kennen gelernt haben, eine dichte, intelligente und arbeitsame Bevölkerung sitzt, die heute schou bedeutende