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Die Studienreise des Staatssekretärs Dernburg nach Deutsch-Ostafrika / von Oskar Bongard
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Posten aufgestellt, und jeder gesichtete Schmuggler wird schonungslos erschossen und sein Kautschuck konfisziert. Während die Ugaudabahn so eiueu Teil des Durchgangs­verkehrs von Tabora nach Muanza abgezogen hat, hat sie auf der audereu Seite die Eigenproduktion des Landes rentabler gemacht uud angeregt. Wachs ist eines dieser Erzengnisse. Sein Export datiert erst seit 1004. Im Jahre 1905 wurden 4100 Lasten befördert, im Jahre daraus -1015 und iu diesem Jahre werden es wohl über 8000 Lasten werdeu. Au Riuderu wurdeu im vorigen Jahre 4324 zur Küste getrieben und nngefähr ebensoviel Kleinvieh. Tie Elsenbeinaussuhr ist iu letzter Zeit konstant geblieben. Da die Elefanten bedentend abgenommen haben, erklärt man die gleichbleibende Aus­fuhr damit, daß die Eiugeboreueu immer uoch viel Elseubeiu vergraben haben, daß sie gewissermaßen wie von einer Sparkasse abheben und im Bedarfsfalle veräußern.

XVI.

Ndala, den 6. September tyo?.

Auf der Boma von Tabora. Maßnahmen für die wirtschaftliche Hebnng von Tabora. Dernburgs Besuch beim Wali uud bei den Indern. Dernburg und Dr. Rathcuau. Abmarsch vou Tabora.

Am Tage unserer Anknnst iu Tabora (1. September) lud der Bezirksamtmann Herrmann alle Teilnehmer an der Reise des Staatssekretärs zur Abeudtasel ein. Die in der Boma gelegeue Messe besteht aus dem Bezirksamtmann, seinem Sekretär, dem Vorsteher des Postamts und den Offizieren der Kompagnie. Tie Boma enthält die Dienstränme des Bezirksamts uud die Wohuuugeu der Beamten und Offiziere. Sie ist uugesähr 20 Minnten vou der Stadt aus eiuer Auhöhe erbaut, von wo sie die Um­gegend vollkommen beherrscht. Ihre günstige Lage und starke Bauart dürfte sie für Eingeborene uneinnehmbar machen. Am nächsten Tage fand eiu großes Schauri dort statt.

Schauri ist jede große oder kleiue Perhaudluug, vor allem die Gerichtsverhand­lung: im weiteren Sinne anch jedes Gespräch. Das Schauri am 2. September wurde vom Staatssekretär, dem Gouverucur Frhr. v. Recheuberg uud Bezirksamtmann Herr­mann mit den vornehmeren Arabern und Indern und deu iu der Umgebnng wohnen­den Sultanen uud Sultauiuueu abgehalten. Die Araber, Inder und ein Teil der Snltane snßeu auf Stühleu, die übrigeu hockteu auf dem Boden. Die Araber in ihren goldgestickten, laug herabwallenden Gewändern und im Schmnck ihrer kostbaren Waffen, die Juder iu weißer Kleidnng und die Sultaue iu phantastischen bauten Trachten gaben ein herrliches Bild ab. Die Erschienenen wurden wiederholt aufgefordert, Klagen, Be­schwerden oder Vorschläge dem Staatssekretär vorzutragen uud sie machten von dieser Aufforderung ergiebigen Gebranch. Was aber vorgetragen ivnrde, betraf zumeist das liebe eigene Ich, irgend eine getränkte Eitelkeit. Ein Untersnltan hatte seinem Sultan nicht deu uötigen Respekt erwiesen: bei einer Gerichtsverhandlung war ein Teil der vorhandenen Sitze von Negern besetzt gewesen, während die Herren Araber hatten stehen müssen nsiv. Da jeder Fall mit großer Weitschweifigkeit nnd Umständlichkeit vorgetragen ivnrde, erstreckte sich das schauri über den ganzen Vormittag. Nachmittags w.ir >>rr Vezirlsomlmann >>rrmann so liebenswürdig, für nus alle einen Vortrag über den Bezirk Tabora zn halten, womit er eine sehr nett in aller Eile hergerichtete 'Ausstellung der landwirtschaftlichen ^andeserzengnisse verband. Am Schinn des Vor träges bezeichnete 5>rr >>rrinann ans die 'Aufrage des Staatssekretärs folgende Mas^ nahmen für die Entwickelung des Vezirls Tabora als notwendig:

1. Die Anleitung der Eingeborenen zn rationeller Wachsgewinnnng. Jetzt wird das Wachs von wilden Bienen gewonnen nnd Nanbban gelrieben, wodurch die Gefahr vorhanden ist, daß die erst seit D»U bestehende Wachsanssnhr, die in diesem