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Die Studienreise des Staatssekretärs Dernburg nach Deutsch-Ostafrika / von Oskar Bongard
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T»»le Plötzlich etwa^ ^ebendigec- zivische» der reibenden Hand nnd dem Gesicht spürte, das sich bei näherem Znsehen als ein kleiner Fisch entpnppte.

Die Zusammenslellnng der ')!ahrnngsmittel für unsere Reise ist so ungeschickt wie nur möglich. Da wir von Sansibar aus das Dar-es-Salaamer Geschäft tele­graphisch mit' der Ausrüstung beauftragen mnßten, lag die Auswahl ganz in der Hand dieser Firma, uud wir hätten doch erwarten dürfen, eiue praktische, das heißt erprobte ZusanunensleUnng zn erhalten. Ein Beispiel mag einen Begriff davon geben, wie wir ausgestattet wurden! Wir habcu eiue Büchse Kakao uud eiue Büchse Würfelzucker, aber sage uud schreibe zwanzig Büchseu Kaviar. Da das Zeug iu der Hitze durch aus nicht schmeckt, werden wir von den zwauzig Büchseu ueuuzehu zurück zur Küste bringen.

Alles in allem genommen, ist bei unserer Safari nichts von der sonst so ge­rühmten uud auch vou mir gekanuteu Gemütlichkeit vorhanden, nnd wir wünschen alle, daß sie bald vorüber sein möge. Daher wird es immer walwscheiulieher, daß wir uicht deu von Tabora aus uoch dreißig Tagereisen betragenden Marsch nach der Küste fortsetzen, sondern nach Muauza zurückkehren werden, was nur 15 Tage iu Au sprnch uimmt. Am schönsten sind die angenehm kühlen Abende, an denen man vor dem Zelte sitzt, zu dem klaren sternbesäten Himmel hiuaufschaul uud vou der fernen Heimat träumt. Ringsum loderu die Feuer der Träger, uud iu der Ferue loht eiu gewaltiger Wildbrand auf uud färbt deu Himmel blutig rot. Das Wildbrennen wird von den Eingeborenen alljährlich um die Trockenzeit geübt. Das trockeue Gras wird irgendwo angezündet, und mit großer Schnelligkeit eilt das Feuer iu lauger, aber schmaler Linie vorwärts, die Bäume und Büsche ansengend, aber nicht vernichtend. Eine Zeitlang glaubte mau, iu Teutsch-Ostasrita deu Wildbrenneu Einhalt tun zn müssen, uud verbot es bei streugcr Strafe, bis mau erkauute, daß bei fehlendem Ab brennen des dürren Grases die Grasnarbe verfilzte uud das Uugeziefer überHand nahm, wodurch Vieh, Wild uud Mensch schwer gepeinigt wnrden.

XV.

Im -vu-r^eu Asntno.

Cabora, den 4. Sept. IY07.

Ankuuft in Tabora. Die alten Sklavenjäger. Die heutige Sklaverei. Die Araber als Kulturförderer. Die Arbeitcraussuhr und -Auswanderung. Der

Handel Taboras.

Lustigkeit und Fröhlichkeit, Lachen, Scherz und Gesang tönt uus auf Weg uud Steg entgegen, wo wir in Tobora den Fuß hiusctzen. Noch uirgends ist mir das glückliche Naturell des Negers so augenfällig geworden, wie hier. Und doch ist es dieselbe Stadt, in der Hnnderttansende erbarmungslos von Weib nnd Kind gerissene Sklaven seufzten uud stöhuten uud einem gransamen Schicksal entgegengingen, denn Tabora war vor Begiun der deutscheu Schutzherrschaft der Hauptsitz der arabischen Sklavenjäger.

Deutsch-Ostafrika selbst war weniger der Schauplatz der blutigeu Überfälle auf barmlose Dörfer, wobei Weiber nnd Kinder niedergemacht nnd die Männer in die Sklaverei geschleppt wurdeu, sondern war das Durchfuhrland, in dem Tabora die wichtigste Etappe zur Küste bildete. Tie i» den Urwäldern >erslrent liegenden Dörfer des Kongostaates waren das Jagdgebiet der Araber, wo sie ihr menschliches Wild erbeuteten. Für ihre wertvolle Ware mußten sie an die Sultane im heutige» Teutsch-Lstafrika eiueu hoheu Durchfuhrzoll zahleu, uud so erklärt sich, warum die Araber unangefochten die lauge» Züge gransam gepeinigter Sklaven dnrch große nnd