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Soune immer drückender, und je näher es,,gegen Mittag ging, desto mehr merkte man, daß wir in Afrika und in der Nähe des Äquators marschierten. Tie Landschaft war eigenartig schön, zerklüftete Felsen, wie sie Südwestafrika so hänfig anfiveisl, ragten unvermittelt ans der Ebene aus, dcmn gab es wieder wunderhübsche Blicke aus den Viktoria-Nuanza, an dessen Bucht wir noch entlang zogen. Überall waren Zeichen von der Emsigkeit der Eingeborenen zu bemerke«, die hüben und drüben von der Karawanenstraße ihre Felder liegen haben. Es ist jetzt die ^eit der Matama-, d. h. der Negerhirse-Ernte. Alle paar Kilometer sah man auf fein gesäuberten Plätzen oder Felsplatlen die Fruchtkolbcu liegen, die mit langen biegsamen, dünnen Stangen, an denen manchmal Lederklatschen befestigt sind, ausgedroschcn werden, wie bei uns zu Hause das Getreide.
Es wurde Mittag, uud uoch immer war das Lager nicht erreicht, einzelne Träger fingen an, zurückzubleiben, und mein Eselein, das ich nnr eine Stunde lang hatte reiten können, blieb immer weiter hinten, obgleich es nichts als den Sattel zu tragcu hatte. Um eiu Uhr traf ich eiueu Herru der Presse am Straßeuraude sitzeud, dessen Reittier ebenfalls versagt hatte. Ein Blick zeigte mir, daß hier der Hitzschlag nicht mehr fern war und Hilfe not tat. Nach einer gnten halben Stunde konnten nur langsam den Marsch fortsetzen uud gegen 3 Uhr kamen wir ins Lager, wo schon rege Tätigkeit herrschte, die Zelte aufgeschlagen, Wasser geholt nnd die Kochtöpfe ans Feuer gesetzt wurden. War dieser neunstündige Marsch für Afrika schon eine sehr anständige uud austreugeude Leistung, so war es der des nächsten Tages noch mehr. Die Folge war, daß der vorher erwähnte Herr, wiederum dem Hitzschlag nahe, die Fortsetzung der Reise aufgebe« uud iu Nera umkehren mußte. Aber nicht nur die das Klima nicht Gewöhnten litten unter den Strapazen dieser großen Märsche, anch die alten Afrikaner seufzten schwer, und am dritten Tage mußte Herr Kurt Toeppeu, der Vertreter des „Lokalanzeigers", der schon 25 Jahre in Tentsch-Ostafrika weilt, geschwächt durch die Anstrengung und hinzugetretenes Fieber, nach Muanza zurückkehren.
XI >.
Im Lager bei Iivanda, den 2?. August 1,907.
Tie Eisenbahnfrage Tabora-Muauza. — Die Baumwollpslanzung des Herrn Wiegand in der Landschaft Nera. - Antilopen- und Löweujagd. — Safaribeschwerden.
Das Wildbreuuen.
Im vorigen Briefe habe ich über die Erschließung der Länder am Viktoria- Nyanza geschrieben. Bekanntlich ist eines der wirkungsvollsten Erschließnngsmiltel die Schassung von Verkehrsmitteln. Sollen wir mm durch die aufblüheuden Länder von Butoba und Muanza eine Bahn legen? Wir haben gesehen, welchen Aufschwung die britische Ugandabahu dem Nordwesten unseres Schutzgebietes gebracht hat, uud dieser Aufschwung hat seinen Höhepunkt noch lange nicht erreicht. Der Bahnbau im britischen Gebiet hat uns alfo nnr Vorteil gebracht. Banen wir nun selbst eine Bahn zum Vittoria-Npanza, so schasfeu wir dadurch ein Konkurrenzunternehmen, wobei weder wir, noch die Engländer bestehen können. Tie Ugandabahn verzinst sich gegenwärtig nur mit dreiviertel Prozent. Die Ursache hierfür ist darin zu suchen, daß die Hälfte der Bahnstrecke, welche die ein- und ausgeführten Waren dnrchlanfen müssen, tot ist, das heißt, leinen Verkehr hat. Man wird sich ans einem der früheren Briefe erinnern, daß von Mombasa bis Nairobi — abgesehen von dem Küstengürtel - ödes Weideland uud Buschsteppe war, die zwar einen außerordeutlichcu Wildreichtum beherbergt, aber keinen Verkehr hat.
Dieser kommerziell noch nicht erschlossene Landstrich verteuert die Ugandabahn außerordentlich. Wir habeu keiue Ursache dazu, deu Engländern in Uganda und Britisch-Lstafrita das Leben schwer zu machen nnd ihre Bahn durch ein Konturen'.