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Die Studienreise des Staatssekretärs Dernburg nach Deutsch-Ostafrika / von Oskar Bongard
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XII.

An ^ord desElement yill" auf dem Viktc>ria-Nycluza, den 20. August 190?.

Seekrankheit. Prunkvoller Empfang in Bukoba. Besichtiguug der Stadt. Indische und holländische Waren. Die Mode der Regerdamen. Besuch der Sultane. Die Mifsiousstatiou Marieuberg. Ausbreitnug des (<hrisle»lnni-> Gegenbesltch beim Sultau Kahigi. - Stiftuug des Fabrikanten Schubert aus ^iltau

Wir sind auf der Fahrt uach Muauza, wo wir deu Dampfer verlassen uud den Fußmarsch uach Tabora, dem ivichtigsteu Handelsplatz im Innern unseres Schutzgebietes, antreten werden. Ungefähr siebzehn Tage iverden wir bis dorthin uuterivegs sein.

Der Viktoria-Ruauza kann ganz gehörigen Wellengang haben. Unser Dampfer schlingert uud stampft gewaltig. Die Seekrankheit hat Einzug gehalten, uud eiuige Herreu opferu Gott Poseidou. Honemlich beschivichligen sie den Gewaltigen, so das; wir nicht zu spät nach unserem Beslinnnnngsort gelangen, denn dort harrt nnserer mit der Znsammenstellnng der Karawane und der letzten Ausrüstung uoch viel Arbeit.

Nachdem ich im letzten Bericht über die wirtschaftlichen Verhältnisse in Bntoba ge sprochen habe, muß ich uoch uachholeu, was äußerlich zu sehen war. Am 17. August gegeu !> Uhr abeuds waren wir vor Bukoba eingetroffen, konnteit aber erst am 18. früh an Land gehen. Der Empfang war in seiner echt afrikanischen Art überwältigend. Am Landungssteg hatte die Kompagnie Aufstellung genommen und ihr schloffen sich die Sultaue, soweit sie bereits eiugecroffeu wareu, mit großem Gefolge nnd ihren Leib­kapellen an. Die Musikanteu wareu auf das Phantastischste mit Fellen, Federn, Zähnen und Gehörnen von Wild ausgeputzt. Der eine Sultau erschien in Purpur mit gold­gesticktem Fez, die anderen nach Europäerart iu weißen Tropen-Anzügen.

Als Staatssekretär Dernburg die Front der Kompagnien abschritt nnd die Snltane begrüßte, erklangen die Hörner, die Trommeln wirbellen, die Gomas der Eingeborenen dröhnten, nnd ihre schrillen Flöten mischten sich in die Begrüßnngsrufe. Dann ging es uuter betäubendem Lärm in feierlichem Zuge der Stadt zu. Die Mit­glieder der Snltanskapellen vollführteu die tollsleu Bocksprüuge. Besonders die Schläger der großen Gomas, welche unseren Kesselpancken gleichen, taten sich durch wildes Schreien uud groteskes Zpriugeu hervor. Als wir der Stadt ziemlich uahe gekommen waren, standen viele hundert Weiber im Festgeivand am Wege und begrüßten dnrch nicht endendes Trillern und Jauchzen die beiden Bakana Knbas aus Deutschland uud Tar-es-Salaam. Gleichzeitig streuten sie Hirse auf die hohen Besucher aus. Dünner mehr schwoll der Zug an und immer toller wurde der Lärm. Wo die Gefeierten vorbeikamen, da warfeu sich die Eingeborenen wie vor ihren Sultanen auf die Kuie, klatschten iu die Hände nnd riefen Begrüsmugsworle.

Das saftige Grün der Tropen-Vegetation, die zerklüfteten Felsen, der weite Viktoria-See in Verbindung mit deu vielen eigenartigen, ivilden Nienschen, nahmen die Sinne iu merkwürdiger Weise gefangen. Wohl selten ist ein europäischer Fürst in so großartiger, eigenartiger Weise begrüßt worden wie Staatssekretär Dernburg bei seiner Studienreise in Bukoba. Man muß es Hanptmann v. Stümer lassen, er ist ein vor­züglicher Regisseur. Zunächst wurden die Ballten bewundert, meist Werke vou des Residenten Bantnnst. Tie starte ^oma, d. h. Festung, welche iin F^ttle von Unrnhcn als Zufluchtsort sür die Europäer dieut, die Offiziersmesse, die Wohuungeu für Offiziere uud Unteroffiziere, die Kammern, die Bureanräume, die Post usw. wurden der Reihe nach besichtigt. Die Schule beschräukt sich uuter der Leituug eiues schwarzen Lehrers ans die Ausbildung im Lesen und Schreiben in der Zuahelisvrache, mil dem Ziele, die intelligenteren Knaben zu Steuerein^iehern ansaibilden. Sie ist in einem ge räumigen Hanse, welches nach Art der Eingeborenenhüllen erbant ist, untergebracht. Wenn man bedenkt, wie gering die Mittel sind, welche dem Residenten zn Renbanlcn zur Verfügung stehen, so muß man seine Tätigkeit dankbar anerkennen. Bei dem Ruudgaug wurde auch eine Art Versnchsgarlen in Augenschein genommen, der aber verhältnismäßig wenig ausweist.