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Die Studienreise des Staatssekretärs Dernburg nach Deutsch-Ostafrika / von Oskar Bongard
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deutscher Gelehrteiltätigkeit. In Entebbe glaubt mau darau, daß Koch mit femen Iinpfverslicheu eudgültigen d'rsolg gehabt und eiu Heilmittel gegen die snrchlbare ^chlastrankheit Munden habe, ^n Uganda hal sie ^">>>u»> tnngeboreiie.^ also I" Prozent der Bevölkerung, dahingerafft, es sind ihr auch drei (nnopaer mm 5>fer ge fallen. Professor Koch hat über seiue Persuche uoch teiil endgiittiges Urteil abgegebeii, steht aber am Abschluß seiner Forschungen, deuu am I l. ^llvber deabsichligl er mit dem gleichen Dampfer, deu mich Deruburg zll beuutzen gedeukt, die Heimreise uach Teutschlaud anzutreten.

XI.

Bukoba, den l8. August l?07. (Iveftufer dcs Victoria-Nyanza.)

Bukoba uud seiue Bedeutung. Ein neuer Hafen?

Was bisher aus der Reise des Staatssekretäre Teruburg gesehen wurde, das stand alles stark unter europäischem Eiufluß. Dar-es-Salaam uud Eutebbc siud Be- amteustädte, Zauzibar ist eiu ilileruationaler Hasen, Mombasa der Ausgaugspulikt für die Eisenbahn uud der Eiusuhrhafeu, Port-Florence Endpunkt der Eiseubahu uud der Ausgaug für die Schiffahrt auf dem Victoria-Nuauza, 9tairobi Gouvernemeutssit; uud wichtiger Platz für die Eisenbahn und die weißen Ansiedler.

Mit Bukoba aber sahen wir mm ersten Mal echte? Asrika, wo sich die Ursprung liche Eiugeborenenversassung noch erhalten und die deutsche Verwalluug sich ihr nur geschickt angegliedert hat.

Die Verwaltungsbehörde ist deshalb kein Bezirksamt, sondern eine Resideulur, uud die Eiugeboreuen werdeu vou siebeu Sullaueu beherrscht, denen das Land, die Leute uud dercuBesitz gehöre«. Jm Jahrgaug l!'05 nud der Keilschrift für Kolonialpolilit, Kolonialrecht uud Kolouialwirtfchaft habe ich iu eiuer Arbeit über die Besiedelnugs versuche uud die Arbeiterfrage in den afrikanischen Kolonien Portugals nachzuweisen gesucht, wie wichtig es ist, daß die Verwaltung sich zur Erlangung vou Arbeiteru au die Verfassung der Eingeborenen, d. h. an das Herkömmliche, Gewohnte, anlehni Eine Arbeitsleistung für seinen Häuptling ist für denNeger etwas Selbst verständliches. Wird dieselbe Arbeit vom Europäer verlaugt, so empfindet der Schwarze sie als Zwang, gegen den er sich, sobald sich die Gelegenheit bietet, auflehnt Erlangt der Europäer aber die Leistung des Negers dnrch den 'Hänptling, so ist allen Teilen gedient. Es war mir sehr erfreulich, in Bukoba eiu Beispiel dafür zu finden, wie in der deutschen Kolonie ohne rohe Gewalt nnter der Beuutzuug der bestehenden Verhältnisse die eingeborene Bevölteruug deujeuigeu Zwecken nutzbar gemacht wird, welchen unsere Kolouisatiousbestrebuugeu dieneu.

In der Residentnr Bnloba sind die Neger Leibeigene ihrer Sultane, von denen ihnen Land angewiesen wird, wosür sie einen Zehnten in Natnralien abzuliefern haben. Da die Feldarbeit hauptsächlich vou Weiberu verrichtet wird, bilde» die hcrauwachsen- deu uud die arbeitsfähige« weiblicheu Persoueu eiu bedeutendes Wertobjekt, und die Sultane nahmen je nach Bedarf oder Gefallen den Familienvätern Weiber nnd Kinder fort, kurz, übteu Sklaverei im üblen Sinne des Wortes ans, indem sie Mann nnd Frau, Mutter uud Kinder trennten. Um diesem greulichen Zustaud abzuhelseu, ohue die Sultcme durch Verschließuug ihrer Einuahmegnelle unzufrieden zu macheu uud zum Ausjtaud zu reizeu, mußte deu schwarzen Herrschern ein Allsgleich für den Allsfall all Einkommen gegeben werden. Tiefer Ausgleich besteht iu der Gewährung eines An teils an der Hüttenstener. Diese wird durch die iu der Schule zu Butob'n im Suaheli Lesen und -Schreiben ausgebildeleu Stenereiuuehmer der Sultane erhobeil uud beträgt pro Hütte vier Rupieu. Hiervon erhält der Sultan eine Rupie uud die deutsche Ver-