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Afrikas fast nur aus große,,, weißen Flächen mil ivenigen angedenlelen Flnj;1änsen bestand und die Abenteuer der asritauischeu Forscher nnsere Phantasie beherrschten. Damals war es beinahe eme Tollkühnheit, bis zmu Tee vorzudringen, iiud erbitterte Kämpfe, Huuaersnot, Gesangenschafl und Tod drohten den Tapferen, die das Land durchzogen. Und bente legt man im Schlafwagen den Weg von der Küste zum See zurück, uud läßt, an wohlbesetzter Tafel schwelgend, die Ufer des Sees an sich vor- übergleilen. Und dach ist nnr eine knrze Spanne ^eit verflossen: ivas sind zwanzig Jahre im Leben der Völker!
Tie Ufer der Kawirondobncht sind kahl uud uur mit wenigen Bäumen bestanden. Es mag aber sein, daß sie zur Regenzeit einen ganz anderen Pslainenwnchs tragen. Tie zahlreichen Inseln sind in ihrer Vegetation viel üppiger. Je weiter wir aus der Bucht heraus dem offenen See zukommen, desto malerischer werdeu die vou Bergeu mil bizarrer Gliederung eiugerahmten User. Herr Landschaftsmaler Wildhagen hat sich deshalb auch eifrig an die Arbeit gemacht, um diese Bilder mit ihreu wuuderbaren Farben festzuhalten, was unserer photographischen Kamera leider noch nicht gelingt. Mit Einbruch der Dunkelheit giugeu wir soebeu vor eiuer Jusel mit hohem Berge vor Auker, deun nachts wird ans dem See nicht gefahren.
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Auf dem Viktoria-Nyausa, den August ,907.
Die Expeditionsmitglieder. - Geplante Unternehmungen. — Tie Gesahr der Verwendung von Soldaten aus der eigenen Kolonie. Eingeborenenbehandluug und iuteruatiouale Kommission für afrikanische Eingcborenenpolilik. — Entebbe. — Professor Robert Kochs Tätigkeit auf der Jusel Ssesse.
Nach den Anstrenguugeu der letzten Tage, in denen mich nicht einer der ganzen Reisegesellschaft zur Ruhe kam, wird die Fahrt auf dem Viktoria-Npansa daukbar als Erholung benutzt. Seit gesteru nachmittag sind alle irgendwie znm Schreiben verwendbaren Plätzchen auf dem Dampfer mit Beschlag belegt, und jedermauu, vom Staatssekretär bis zum Tieuer herab, erledigt die rückständigen Korrespondenzen.
Es verlohnt sich, die Znsammensetzuug der Reisegesellschaft etwas näher zu betrachten. Zu den Begleitern Dernburgs gehören der Gouverneur von Teutsch Ost - asrika, Freiherr von Reche nberg; Dr. Ratheuau, dessen Bedentung im letzten Briefe gestreift wurde; Oberstleutnant Quade, der Höchstkommandierende der Schutztruppem Geheimrat Baltzer vom Kolouialamt, der schon früher im Ausland, u. a. in Japau, tätig war, als technischer Sachverständiger; Stabsarzt Eugclaud vou der Schutztruppe als Expeditionsarzt; Landschaftsmaler Wildhagen; Rittmeister Graf Heuckel von Donnersmarck als Adjutant von Dernburg und Leutuaut Schöu als Adjutam des Gouverneurs v. Recheuberg; feruer Kauzleisekretär Krüger uud zwei Diener. Von den Berichterstattern, die für Dernburgs Reise uach Afrika gekommen find, hat Herr Alberti-Sittenfeld von der „Berliner Morgenpost" einen anderen Wea eingeschlagen und Herr E. Zimmermann ist wegen Erkrankung in Dar es Salam zurückgeblieben. Es bleiben noch die Herren Hornung als Vertreter der „Kölnischen Zeituug" und „Straßburger Post", vi-. Storz für mehrere rheinische Blätter, Kurt Toeppeu aus Zauzibar für den „Lokalanzeiger", A. Zimmermann als Vertreter von Wolfs Telegraphenbureau und ich als Korrespondent der „Leipziger Neuesten 'Nachrichten".
Kurt Toeppeu aus Ostpreußen weilt schon fünfnndzwanzig Jahre in Ostasrika und ist Mohammedauer. An seinem Uebertritt zum Islam war die Liebe schuld. Als junger Mann lernte Toeppen im Jahre 1888 in Lamu eme Araber'' kennen, i» die er sich sterblich verliebte. Tie schöne Orientalin willigte aber n nnter der