5
— 29 —
grossen. Tie beste Sicherheil lag in der in unseren Städten von vornherein aus sanitären Gründen angestrebten Sauberkeit, also in der früher besprochenen und von den Ausländern angefochtenen dentschen Gründlichkeit. In einem früheren Briefe schrieb ich von den Indern nnd ihrer Bedeutung für die Ostküste. In Britifch-Ost- asrila spielt das indische Element eine viel größere Rolle als bei uns. Es gibt keinen Berusszweig, in dem die Inder nicht vertreten sind. Besonders auffällig ist ihre Verwendung im Bahnbetriebe,
Wenu ich an Südwestafrika zurückdenke, an die 5Itavibahn und an die Staats- bah», die mit europäischen 'Angestellten betrieben wird, so komme ich zu dem Schluß, daß wir unbedingt darans hinarbeiten müssen, die an und für sich intelligenten Eingeborenen der in Betracht kommenden Kolonien dazu heranzubilden, daß sie die Stellen der unteren Betriebsbeamten einnehmen können. Man wird hier einwenden, daß dann die Schwarzen den Teutschen das Brot wegnehmen. Tem ist gegenüber zu stellen, daß die Bahn eine große wirtschaftliche Bedeutung hat. Nur mit billigen Tarifen kann sie wirklich der Erschließung uud Eutwickluug des Landes dieneu. Im Innern der Kolonie können die größten Handelswerte ruhen, die sich nicht ausnutzen lassen, weil der Bahntransport znr Allste zn lener, also eine Konkurrenz auf dem Weltmarkte für den Produzenten unmöglich ist. Tie Bahn mnß also billig wirtschaften, um der Allgemeinheit zn dienen, ^iir diese wird sie ja auch gebaut, uud nicht für einige wenige Angestellte, denen sie Brot gibt. Ich bin sogar der Ansicht, daß man in Erwägung ziehen soll, bis zn dem Zeitpunkt, an welchem der Neger so weit ist, andere billigere Arbeitskräfte heranzuziehen, als den deutschen unteren Bahnangestellten, der ja körperlicher Arbeit in tropischen und teils auch subtropischen Gegenden nicht gewachsen ist. ,^ür den Teutschen gibt es in den Kolonien bei fortschreitender Entwicklung andere nnd lohnendere Beschäftigung.
? ie beiden >>anptansgaben für die Entwicklung von Deutsch-Ostafrika sind möglichst schneller Ban einer .^enlralbahn, die mit billigen Tarifen arbeitet, und zweitens eine vernünftige Eingeborenenbehandlung, durch welche Unruhen vorgebeugt wird, und die Arbeilslrast der Neger ausgenutzt werdeu kann. Ohne den Neger als Arbeiter können nur in Teutsch ^slasrila nicht vorwärts kommen, das steht fest. Es heißt also, Muiel finden, ihn ans gütlichem Wege zur Arbeit zu bringen. Hierzu gehört auch das Anerziehen vou Bedürfnissen, zn deren Deckung der Eiugeborene Geld haben muß, das er durch 'Arbeitsleistung erwirbt.
IX.
j?e>rl Flcrenee, .nn Oiktorm-^ec, den ^5. August ^9V7-
Von Nairobi nach Pe>n ^lorenee, ^öive, >>yänen und wilde ,vnuide. — Kawirmidolcute und die Lchlmtrankheit, ^ Dr. Ratlieneiu. — ^alnt mif dein Pikwrm-Nlnrnsa.
Wenn jemand nur von Mombasa nach 'Nairobi mit der Eisenbahn fährt, erhält er von dem Werte Afrikas leinen sehr gnten Eindruck. Nach dem Passieren des fruchtbaren .^'üslenstreisens kommt meist öde Buschstcppe, die nur durch den ungeheueren Wildreichtum belebt wird, uud hierdurch eiueu besonderen Reiz erhält. Nairobi verließen wir am Angnst gegen Mittag und Dernbnrg wurde wiederum mit allen militärischen Ehreu abgefeiert. Kaum waren wir abgefahren, da änderte sich mit einem Schlage das Vegetationsbild. Meile um Meile suhreu wir dnrch blühende Eingeborenen- pflanznngen. Soweit das Auge reichte, fah man bestellte Felder; Mais, Negerhirse und Bananen bemerkte man am meisten. Die Gegend ist gut bevölkert und die Bewohner betreiben emsig den Anbau voll Eiugeborenenkultnren. Die Neger hierzu zu erziehen nnd durch sie selbst Ausfuhrwerte schaffen zu lassen, ist für die Bezirksbeamten in Deutsch-Ostafrika eine sehr wichtige Aufgabe, uud wir werden auf dem Marsche