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Die Studienreise des Staatssekretärs Dernburg nach Deutsch-Ostafrika / von Oskar Bongard
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bischen und indischen Würdenträger in ihren Prnnlgewändern, dazivischen die ge­schäftig, aufmerksam nud geräuschlos hin nnd her laufenden schwarzen T iener iu ihrer bnnlen Tracht schufen eiue Pracht nnd einen Glanz, wie ihn kein europäischer Salon hervorzurufen vermag.Tausend uud eiue Nacht" tönte es immer wieder aus dem Mnnde derer, die zum ersten Mal dem Zauber Ostafrikas ivonnetrnnken kosteten.

Atemlose Stille herrschte, als Ternbnrg sich erhob nnd dem Gonvernenr sür die Einladung daukle. Es sei ihm eiu schwerer'Entschluß gewesen, als Bürgerlicher von seinem Schreiblisch uud seiner Rechenmaschine fort geradeswegs an die ^pine des Kolonialamts zu treten, führte der Staatssekretär in seiner Rede aus. Er habe diesen Enlschlnß nur aussühreu köuueu, da ihn die feste Absicht beseele, snr die wirtschaftliche Entwickeluug der Kolouieu mit aller Kraft tälig zu sein. Teu Kolonisten überbringe er die Grüße aus der Heimat, deun das ganze dentsche Volt nehme nnnmehr regen Anteil an ihrem Schicksal. Vor allem aber könnten sie des Interesses des Kaisers sicher sein. Kurz vor Dernburgs Abreise habe ihm Seine Majestät aufgetragen, den Teutschen in der Kolonie seinen Grns; mit den Worten zu überbriugeu: Seid eiuig, treu und deutsch! Im Auschluß an das Kaiserhoch wnrde eiue Tepeschc abgesandt, die mit den Worten schloß:Braver deutscher Arbeit wird es gelingen die reichen Schätze dieses herrlicheu Landes zu bebeu uud uuter dem machtvollen Schilt; Eurer Majestät ein überseeisches Reich zu entwickeln würdig deutschen Namens". Des Kaisers Antwort an Ternburg tras am tt. August aus Swiuemünde ein und lautete:Ich danke Jhuen uud allen dortigen Teutsche« sür deu Grus; aus der Kolonie. Möchte denselben nnter Ihrer Leitung eine ^uluusl bcvorslebeu. welche das Paterland mit Stolz erfüllt uud die braveu Kolonisten für ihren Mnt und ihre Ausdauer reich be­lohnt. Vor allem sollen sie ohne Unterschied des Standes fest und einheitlich zu­sammenhalten und zusammen arbeiten. Ohne das ist kein Fortschritt zu erwarten."

Wilhelm. I. I!.

VII.

Zanzibar, y. August lia?. Ternburgs Pläne sür deu Ausenthalt in der Kolonie. Zanzibar. Besuch beim Snltan.

Seit seiner Anknnft in Tcntsch-Ostafrika hat Ternburg noch nicht eine ruhige Miuute gehabt. Nach deu fchou berichteten Besichtiguugen wohute er unvermutet einer Sitzung des Eingeborenen-Gerichts bei, sah sich die Abfertigung der Post nach dem Innern an, welche auf deu Köpfen von Trägern in einer besonderen Karawane besördert wird, hielt Konferenzen mit dem Gouverneur uud deu Refereuteu des Gouveruemeuts uud staud an mehreren Tagen von 57 Uhr abends jedermann, der etwas aus dem Herzen hatte, ohne vorherige Anmeldung zur Verfügung. Daneben genügte er den zahlreichen repräsentativen Anfordernngen.

Der Plan für Ternbnrgs Aufenthalt in der Kolonie war, zunächst nach den Küstenstädten des Südeus uud dann nach deueu des Nordens zu gehen, Usambara, das bekannte Berg- nnd Plantagenland, zu bereiseu und von dort zum Kilimaudscharo zu marschieren. Tie Rückreise über Voi sollte mit der englischen Ugandabahn erfolgen. Dazwischen sollte ein Bestich beim Snltan iu Zcmzibar stattfiudeu.'

Ein alter afrikanischer Spruch besagt: 1. In Afrika 2. kommt es anders als man denkt. Er bewahrheitete sich auch wieder bei diesem Programm. Wegen der be­vorstehenden Abreise des Sultans mußte der Besuch bei ihm zuerst erfolgen. Als wir gestern alle auf dem GouvernementsdampferKaiser Wilhelm II." nach Zanzibar fuhreu nnd schon in Sicht der Stadt waren, lies; uus Ternburg rufen und teilte mit. daß er sich soeben entschlossen habe, das Reiseprogramm zn ändern. Mit jeder Stunde, die er länger in unserer Kolonie weile, komme er mehr zn der Überzeugung,