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Kämpfe absetzen, ob nunmehr in Miseren Kolonien der graue Gehrock znm Festgeivand zu erheben ist oder nicht. Diese Erörternngen möchte ich anderen überlmien und mich mil der Mitteilung bannigen, das; der grane Noct ganz gut aussah. L7b er aber in der Hitze zweckmäßig ist, möchte ich bezweifeln.
Anhand fand'nach der Begrüßllng der spitzen der Behörden, nnd angesehenen Eingeborenen, 'Araber nnd Inder, der Vorbeimarsch der in Dar-es-Salaam siebenden A skariko m p a g n i e statt.
Mit dem Abschluß der Seereise beginnt eine schivere 'Arbeit snr l ernbnrg, denn die Durchsühruug des Programms, ivelches heute für die Besichligungc'reise betanul wnrde, läßt keinen Zweifel darüber, daß eine Zeit anstrengender Tätigkeit bevorsteht. Von einer Vergnügungsreise kann keine Rede sein.
VI.
I>ar-es-5alaam, den 8. Auaust 5907.
Geschäftlicher Aufschwung. — Die Besichtigung der Askari. — Die Post. — Die Brauerei vou W. Schulz. — Soliman bin Nasr el Lcmke. — Ein Nachtfest beim Gouverneur.
Ueber deu Schönheitsgrad von Landschaften läßt sich nicht streiten, er ist indivi duelle Empfindungssach'e. Es ist daher unnütz für das Hafenbild von Dar es Salanm eine Klassifikation zu suchen. Aber eins läßt sich von ihm feststellen, nämlich, daß er nach allgemeinem Urteil ein herrliches Fleckchen Erde ist und daß der Ankommende ans das angenehmste überrascht wird, wenn nach dem Passieren der nur ganz schmalen Einfahrt das wundervolle Panorama vor ihm liegt. Zunächst fällt die Menge stattlicher Bauwerke, darunter zwei große Kirchen, auf, die aus dem dnnllen Grün der Palmen, Kasuarinen und Mangobäumen mit ihren weißen Manern und hoben Dächern hervorlenchtend, ein farbenprächtiges Bild abgeben. Tann staunt man über die Ausdehnung des Hafens, dessen Becken eins der größten natürlichen der Welt ist, und über die Fruchtbarkeit des Landes, die aus der üppigen Vegetation der User hervorgeht. Wie schmuck und prächtig der Anblick von außen ist, so sauber und ordentlich ist auch das Innere der Stadt. Pier Jahre sind verflossen seit ich Dar es- Salaam verlassen habe und ich war jetzt freudig übcrraschtüber die Entwicklung der Hauptstadt in dieser kurzen Zeit.
Aber mehr uoch als der äußerlich sichtbare Fortschritt erfreute mich die jetzt herrschende Stimmung der Bevölkerung. Zur Zeit meiner Abreise im Sommer ü"'^ war die Unzufriedenheit allgemein. Die deutschen Kanflente hielten sich mit Mühe über Wasser; dus Geschäft lag vollständig darnieder. Die Lieserungen für das Gouvernement gaben hauptfächlich die Möglichkeit, daß die mittleren Kanflente bis >nm Antritt besserer Zeiten mühsam existieren konnten. Damals kam grade die 'Nachricht, daß an die Gewährung von Mitteln für die Erschließung der Kolonie dnrch Bahnen nicht zn denken sei; nuu gab mau auch die letzte Hoffuuug anf und wo man hin sah, waren sorgenvolle Gesichter. Niedergeschlagenheit nnd gedrückte Stimmung lagen überall ans der ganzen Kolonie. Und heute? Hosfnnngssrendigkeit und Schaffensdrang, Tatkraft und Zuversicht herrscheu in allen Kreisen. Schon seit dem Beginn des Babn- baus von Dar-es-Salaam nach Morogoro lebten die Geschäfte wieder auf, uud seit 1905 ist der allgemeine Ansschivung unverkennbar. Der verflossene Winter brachte Lstafrika einen gewaltigen Schritt vorwärts durch das für uusereu Kolonialbesitz ge- übte Interesse, uud es sind eine größere Anzahl von Unternehmungen für Holzgeivin nung, für Sesalhanf-, Kcmtschuck-, Baumwoll- und Kokospalmen-Plantagen beabsichtigt und zum Teil auch schon in die Wege geleitet.