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Die Studienreise des Staatssekretärs Dernburg nach Deutsch-Ostafrika / von Oskar Bongard
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Täuflingen erkundigte nnd den Transportführer nnd ^r',ellen> Ternbuvg namens seines Herrn und Gebieters begrüßte.

Unser Kapitän von ^ssendvrf hat die Veranstaltung eiuer '.'lgiialorfeier für die Passaaiere abgelehut. Nbrigeus muß ich im Anschluß au deu letzteu Brief berichten, daß es muuuehr abends !> Uhr auf Verlaugcu Tee uud d'ates. auch BiNlerbrole gibt, Auscheiuend war es doch zu beschämend, zu scheu, une Passagiere ihre Eakesdoscn herailsbolten, mu noch einen Öappen znm Naebllrniik zn genießen. Wenn ich an meine früheren Fahrten mit Kapitän Klen, Tvherr, Stahl. Fiedler zilriietdenke. tann ich ivirk- lich uicht verstehe», wie es möglich ist. daß man hier um jede Scheibe Zitrone, um jedes Stückchen Eis betteln oder es mit Schimpseu uud Wetteru verlangen nniß.

Doch zurück mr ,<qnatorseier! Ternbnrg bewegt sich iu der letzteil ^eit fast iuuuer auf dem Promeuadeudeck uuter deu Passagiereu, uud seiue Art ist so unge. zwungen, das; niemand sich seinesivegen irgend einen ^ivang anserlegl. Ter henle nachmittag vorgenonmieneii Tause ivobme er. eingekeilt inmitten der sich drängenden Passagiere, bei. Neptun verlieh ihm mit eiuer Humorvolleu Ansprache eine weiße Weste für die Rückkehr aus Afrika.

Daß Ternburg sich alles recht grüudlich auseheu null, geht daraus hervor, daß er für den Rückreiseiermiu den 13. Oktober ab Dar-es-Salaam in Aussicht genommen hat. Es wird also für die ganze Reise eine Abwesenheit von vier Monaten heraus­kommen. Noch 48 Stunden, nnd wir betreten deutschen Boden. Es wird auch ^eit, denu die lange Seefahrt fängt an langweilig zu werdeu.

V.

Dar-es-Salaam, deu 5. August 1907.

Mombasa. Teutsche Gründlichkeit. Flüchtiger Bestich von Tanga. An Zanzibar vorbei. Der graue Tropengalarock. Aukuuft iu Tar-es-Salacnn.

Mombasa, der Hafeu vou Britisch-^ stafrila uud Ausgaug5puukl für die Bahn zum Viktoria-Nyanza, weist deuselbeu landschaftliche« Charakter wie Teutsch i?stafrika aus. Wir wareu bei Nacht eiugetroft'eu uud, da die Eiufahrt in der Dunkelheit sehr gefährlich ist, mit frühestem Morgen in den Hasen vou Kilindini eiugelauseu. Als die Passagiere an Deck kamen waren sie überrascht und eutzückt vou dem wnnderbaren Bild, das sich ihren Augen bot. Der nie versagende Zauber tropischer Vegetation wirkte doppelt nach der Fahrt durch die Wüsteu zu beideu Seileu des Suezkauals uud uach der langweiligen Reise durch deu Jüdischen Qzean. Geivattige Mangobäume, die riesigen Linden gleichen, Bananen, Akazien, wilde Mandelbänme. Nizinnsslanden nnd kahle Affenbrotbäume, dereu Durchmesser nach Metern zählt, unzählige andere Baum-, Busch- uud Gräserarten im saftigsten Grün, bilden die Vegetation der Ufer der Bucht. Das Ganze erhält aber sein charakteristisch malerisches Gepräge dnrch die schlanken Kokospalmen, welche die meisten anderen Bänme überragen und sich mit ihren stern­förmig auseinanderstrahlenden Kronen gegen den Himmel abheben.

Alles atmet üppigste Fruchtbarkeit. Die Wirkuug des Bildes wird noch erhöht dnrch die Ruinen alter portugiesischer Fesuingsiverle, welche bei den ersten Um- schiffuugen Asrikas errichtet wnrden, um als wichtiger Stützpunkt für die Fahrten nach Ostindien zu dieuen. Das große Fort, das oft der Schauplatz erbitterter jahre­langer Kämpfe zwischen Portugiesen, Arabern und Negern gewesen ist, hat sich lns auf deu heutigen Tag gebrauchsfähig erhalteu uud dient den (nigländern als Ein­geborenengefängnis. Von den Geschäften find die meisten in den Händen von Indern und Goanesen, welche den Kleinhandel mit den Eingeborenen vermitteln, und mich die Handwerker sind fast ausschließlich Juder. Taher bilden diese schnmtzig brannen Ge^ stalten einen bemerkbaren Bestandteil des Straßenlebens, in welchem natürlich der