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Die Studienreise des Staatssekretärs Dernburg nach Deutsch-Ostafrika / von Oskar Bongard
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unter Rachprüfnng der Lieferung auszurüsten. Die Anzahl der Geschäfte, die sich mit Tropenausrüstuugeu befassen, mächst mit jedem Tage, mer sich aber auf diejenigen ohne genügende Erfahrung verläßt, der riskiert, daß er nach Ostasrika ausreisend, eine halbe Ausrüstuug für Südwest und umgekehrt erhält.

Für die Seereise ist einer der bekannten, nicht zu hellen Strandanzüge zu em­pfehlen, der mit zunehmender Hitze mit einem Anzug aus imitierter oder echter Bast­seide uud später mit den weißen, bannnvollenen Tropenanzügen zu vertausche« ist. Beim ^iner berricht in der ersten Klasse Frack oder Smoking. Der Tropenhut darf beim Kabinengepäck nicht fehlen, denn die Besuche au Laud in Aden, Mombasa, Zan- zibar, bringen die Gefahr des Sonnenstiches. Wenige Minuten, in denen der Kopf nicht hinreichend geschützt ist, genügen, um ihn hervorzurufen.

Das, was mau währeud der Fahrt an Wäsche uud sonstigen Dingen braucht, packt man in zwei Koffer, von denen der eine in der Kabine, der andere in dem wöchentlich mehreremal zugänglichen Gepäckraum verstaut wird. In Ostafrika wird der geschlossene weiße baumwollene Tropenanzug getragen. Bei festlichen Anlässen tritt an die Stelle des geschlosseueu das offene Jackett mit weißer Weste. Zum Diner legt man ein besonderes, kurzes Jackett mit weißer ausgeschnittener Weste, schwarzen Hosen und fchwarzen Lackschuhen an. (5s ist kein Unglück, wenn sich der Ausreisende nicht mit viel Tropeuaumgen in Tcntschland versehen hat, denn in Ostafrika sind diese überall an der Küste in kurzer Zeit nach Maß anch nicht teuerer als in der Heimat zu erballeu.

Die Schuhe siud aus weißem Segeltuch, sür Regenzeit, Märsche usw. aus Hellem Leder. Für deu Abeud trage mau nur hohe, über die Knöchel reichende Schuhe, da diese Stelle des Körpers vou deu Moskitos besonders bevorzugt wird, die durch ihren Ztich die Malaria, den gefährlichsten Feind des Europäers in den Tropen, über­tragen.

Heule reist kaum jemand ohne photographischen Apparat ans, es verlohnt sich deshalb anch hierüber ein Wort zu sageu. Der Apparat muß möglichst einfach lonstrniert sein. Holz quillt, Eisen und Stahlteile rosten, sind also zu vermeiden. Der Balaenau^ng darf nur aus gutem Leder sein, denn Kaliko wird von den Insekten angefressen. Films verderben außerordentlich leicht in den Tropen, deshalb sind Platten trotz ihrer Schwere vorzuziehen. Die große Hitze briugt die Gefahr mit sich, daß sich die Gelatiueschicht beim Fixieren oder Wässern der belichteten Platten loslöst. Durch Härten mit Alaun oder Formalin nach dem Entwickeln kann man hier vorbeugen.

5 uderichrettet deu Nahmen dieser Berichterstattung, eine eingehende Schilderung der Tropenausrüslung zu geben, und wir müssen uns mit den angeführten Winken be­gnügen, lim dem nach unseren 5v0kmien Ansreifenden bei seiner Ausrüstung mit Rat an die Hand zn gehen, habe ich mich bemüht, meine Erfahrungen cmf diesem Gebiet m einem Büchlein niederzulegen, das vor zwei Monaten unter dem Titel:Wie wan­dere ich nach deutschen Kolonien an^' Ratgeber für Auswanderungslustige", bei 2>i^eroll m Berlin erschienen ist >. b'o würde mich srenen, wenn ich durch meine Ratschläge manchen vor .-.rger, Enttänschnng und unnützer Geldausgabe bewahren könnte.

III.

?In ^oio des ,,^eloinai'schol>", den 22. ^.uli t^07.

7ie schrecken de-> rolen Meeres, lernburg als Passagier. Port-Said. ^um und jetzt. Matrosenball. Schlechte Verpflegung.

Tas role Meer ist der am meisten gefnrchtete ^eil der Reise nach der ost- anilamsche» Kiiüe. da liier die schrecklichste Hitze zu herrscheu pflegt. Ich habe es hier schon erlel'l. das; ein weißer nnler den, Einfliiß der Temperatur wahnsinnig wurde

*) In diei ^mmteu isl die '.'luila^' dieü-5 Buches in der ,<M)e von achttausend

Llu.l vereinen gewesen, so das; mul, ^eilnuichten schon die zweite Ausloge erscheinen muß.