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Deutsch Ostafrika : das Land und seine Bewohner ; seine politische und wirtschaftliche Entwicklung / Paul Reichard
Entstehung
Seite
308
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Die Lebensmittel.

-i^er Reisende, welcher den afrikanischen Kontinent betritt, sieht sich sofort einer ihm anfangs recht großen Unannehmlichkeit gegenüber, das ist die eigenartige Beschaffenheit der Lebensmittel und zum zweiten die Gewöhnung an die eigenartige Nahrung.

Dentsch-Ostafrika bietet dem Reisenden an Lebensmitteln mehr, als es auf den ersten Anblick erscheinen mag, wenn wir von dem ungast­lichen Gebiet der Massai absehen und vielleicht auch von Uhähä, wo wenig Ackerbau getrieben wird. Wie oft nicht werden Afrikareisende gefragt, was sie gegessen nnd wovon sie gelebt haben. Der eine meint, man habe enorme Quantitäten von Konserven mitgefühlt, der andre glaubt, daß der Reisende oft Hunger gelitten habe oder im günstigsten Falle von geröstetem Fleisch erlegten Wildes 5 1s. Lederstrumpf gelebt uud die Nahrung obendrein wie die Wilden, nur mit Hilfe der ihm von der Natur gütigst verliehenen Gabel zu Munde geführt habe. In mageren Zeiten stellen sich andre vor, sei der Hnngerriemen fester zu­geschnürt worden. Wollte man auf Reisen im Innern oder selbst an der Küste nur von Konserven lebe», so wären dazu bedeutende Mittel notwendig, welche aber bekanntlich nicht jedem zur Verfügung stehen.

Zum Glück ist aber der Reisende und auch der Kolonist weder auf die Konserven angewiesen, durch deren alleinigen Gennß er bald krank werden würde, noch auf das Wild Afrikas. Auf das Wild beschränkt, würde er bald am Huugertuche uagen müssen. Man kann sogar, auf Reisen und auch in der Kolonie angesiedelt, ausschließlich vou Landes­produkten leben, nnd zwar recht gut und mit vieler Abwechselung, in allen Teilen Deutsch-Ostafrikas mit Ausnahme des Massailandes.