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Deutsch Ostafrika : das Land und seine Bewohner ; seine politische und wirtschaftliche Entwicklung / Paul Reichard
Entstehung
Seite
221
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Die südlichen Distrikte der Nuassa- und Nickuiaseen.

4-^ißmann hatte bisher den südlichen revoltierenden Teilen Deutsch-Ostafrikas keine Beachtung geschenkt. Er wollte seine Operationen nicht über ein zu großes Gebiet ausdehnen und begann seine Thätig­keit dort erst, nachdem der Aufstand im Norden mit Buschiris Hin­richtung gänzlich gedämpft war. Ende April 18tz9c verließ er mit seinen sämtlichen Dampfern Bagamojo, um mit Unterstützung der Marine auch dort Ordnung und Ruhe zu schaffen. Es gab leichte Arbeit, denn alle Plätze von Bedeutung, welche in den Händen der Aufständischen befindlich waren, lagen offen am Meere, schutzlos den Granaten der Kriegsschiffe preisgegeben. Am 10. Mai wurde Lindi, der nach Kiloa bedeutendste Sklavenhandelsplatz, nach wirksamer Be­schießung von den deutschen Schutztruppen gestürmt und besetzt. Man hatte anfangs Besorgnis gehegt, in den südlichen Plätzen ernsteren Widerstand zu finden, doch war dies unbegründet, auch für den Kenner nicht zu erwarten, denn die Kriegsmittel der dortigen feindlichen Partei waren nach jeder Richtung hin viel zu unzulänglich, als daß an ernsthafte Schwierigkeiten gedacht werden konnte.

Lindi, an einer malerisch wundervollen Bucht gelegen, bietet sonst wenig Reiz, und außer einem alten, portugiesischen Fort, hat es nichts Bemerkenswertes. Dasselbe wurde von einem uralten, halbblinden Mali, einem Vollblutaraber bewohnt, der dort in den gewölbten, halb­zerfallenen, burgartigen Hallen sein Heim aufgeschlagen hatte.

Bei Lindi mündet ein Fluß, der Ukawedi, welcher anscheinend sehr groß, nur etwa 20 lcin weit landeinwärts mit Schiffen von ge­ringem Tiefgang befahren werden kann.