Sansibar.
sonderbar mag es erscheinen, wenn wir in einem Buche, welches den Titel „Deutsch-Ostafrika" trögt, einem der ersten Kapitel die Aufschrift „Sansibar" geben. Wie aber könnte man z. B, über Frankreichs Provinzen und deren Entwickelung schreiben, ohne ausführlich seiner Hauptstadt Paris zu gedenken, und was Paris für Frankreich, das ist Sansibar für Ostafrika. Auch wenn es die Diplomaten mit einem Federstrich davon losgelöst haben, so wird es dennoch langer Zeit bedürfen, ehe ein andrer Ort der nunmehr deutschen Küste der alten Sultansstadt den Rang abgelaufen haben wird. Noch spätere Geschlechter werden von Sansibar als der einstigen Hauptstadt von Ostafrika sprechen, nennen wir doch noch heute Moskau immer die einstige Hauptstadt des Russischen Reiches. Zudem ist Sansibar für alle sozialen, politischen, sowie wirtschaftlichen Verhältnisse und Beziehungen von so weitgehender Bedeutuug, daß es nicht zu umgehen ist, dieselbe einer eingehenden Besprechung zu würdigen, trotzdem es nicht zu unsrer ostafrikanischen Kolonie gehört.
Sansibar, Unguja nennt es der Eingeborene, war nicht immer der Mittelpunkt der Ostküste. Lange hat es mit Mombas gerungen, ehe letzteres seine Überlegenheit einbüßte. Welch wechselvolles Schicksal war der Insel beschieden. In den ältesten Zeiten im Besitz der Eingeborenen, setzten sich schon früh die Araber dort fest, um den Portugiesen zu weicheu, welche schließlich wieder von den Arabern verdrängt wurden. Zum Hauptorte der Küste wurde die Stadt Sansibar erst, als im Fahre 1840 Said Said, der Sultan von Maskat, sich dorthin zurückzog. Müde der ewigen Kriege mit den