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Deutsch Ostafrika : das Land und seine Bewohner ; seine politische und wirtschaftliche Entwicklung / Paul Reichard
Entstehung
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Allgemeine Schilderung des dentsch-ostafrikanischen Gebietes.

-i^cis ungeheure wissenschaftliche Material, welches uns die Arbeit der Forscher geliefert hat, läßt uns Afrika als denjenigen Kontinent erkennen, welcher sich durch eine außerordentliche Gleichförmigkeit aus­zeichnet. Schon in der einfachen Küstengliederung deutet sich dies an. Diese Gleichförmigkeit des geologischen Aufbaues bedingt eine solche auch nach allen andern Richtungen. Wir finden ein gleichmäßiges Klima, wenn wir von den Wüstengebieten absehen, eine ziemlich gleich­artige Pflanzendecke, verschieden nur auf sehr weitgedehnten Strecke», wir nennen nur die enormen Waldsteppenbildungen des südlichen und östlichen Teils und die Gegenden, wo feuchte Wälder auf große Ausbreitung vorherrschen, wie im mittleren und unteren Kongogebiete. Die Bewohner, deren Charakter, Lebensweise und Sitten zeigen in großen Zügen auch jene Gleichmäßigkeit, und dies alles gilt dem­entsprechend auch für Deutsch-Ostafrika.

Wir müssen zunächst den geologischen Bau ins Auge fassen. Das ganze Gebiet Ostafrikas zeigt uns überall Urgestein, Gneis, Granit und roten Sandstein in weitaus vorherrschender Weise, und auch hier tritt uns als zweites wesentliches Merkmal von ganz Afrika der aus­gesprochene Hochplateaucharakter entgegen. Da seit der Entstehung des Kontinents keine gewaltsamen plötzlichen geologischen Änderungen statt­gefunden haben, konnten die abtragenden Naturkräfte, das Wasfer und die Atmosphärilien, seit unendlichen Zeitaltern wirken, und so sehen wir heute nur noch Reste alter Gebirge vor uns im inneren Hochplateau und in den Randgebirgen desselben. Die Erde ist durch allmähliche Abkühlung unausgesetzter Zusammenziehung unterworfen. Dieselbe