Die Erwerbung von Deutsch-Ostafrika.
^ie deutsche Kolonicilbewegung ist auf den französischen Schlachtfeldern geboren worden als natürliche Folge der dort errungenen Einigkeit und Machtstellung. Schon bald nach Beendigung jenes beispiellos erfolgreichen Kampfes brach sich die Überzeugung Bahn, daß wir uns nicht damit bescheiden durften, in die engen Grenzen des Deutschen Reiches eingezwängt, auf jede Machtentfaltung uud jeden Einfluß außerhalb derselben zu verzichten. Volkswirtschaftliche und ideale Gründe drängten uns auf neue Bahnen. Bisher hatten die Bemühungen deutscher Forscher im Grunde genommen keine andern Erfolge gehabt, als die Ausdehnung der britischen Weltmacht zu fördern. Deutschland begnügte sich mit dem Ruhme, sein möglichstes zur Erweiterung der geographischen Kenntnisse fremder Erdteile, besonders Afrikas beigetragen zu haben, während England es sich angelegen sein ließ, ein Stückchen herrenloser Erde nach dem andern als Kolonie in Besitz zu nehmen. Seine überschüssigen Kapitalien legte es dann in seinem überseeischen Besitze an und zieht jährlich etwa eine Milliarde Zinsen daraus. Ganz Europa versorgt es mit Rohstoffen von dorther. Durch die Anlage von Kohleustationen in allen Teilen der Erde rückt es seinem Ziele, den Welthandel vollständig zu beherrschen, immer näher. England wird unter solchen Umständen eines Tages in der Lage sein, den überseeischen Handel einer beliebigen Nation nach Belieben einzuschränken oder ganz zu unterbinden. Dentschland dagegen gehen alljährlich durch Auswanderung ungeheure Summen an Kapital und Arbeitskraft unwiederbringlich ans Ausland verloren. Lange hat es gedauert, ehe man zu der Überzeugung gelangte, daß das einzige Mittel zur Er-
Reichard, Deutsch-Oswsrika. 1