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Kolonialgeschichte / von Dietrich Schäfer
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Das 19. Jahrhundert.

fahr für den Frieden ist damit beseitigt; der Hergang ist aber ein schlagendes Beispiel dafür, welche Bedeutung koloniale Fragen auch in unserer Zeit selbst für die mächtigsten Reiche des europäischen Kontinents gewinnen können.

Daß das lange vergessene Afrika durch die Entwicklung des letzten Menschenalters in den Vordergrund der kolonialen Interessen getreten ist, bedarf kaum noch des Hinweises.

52. Rußland in Asien.

Der größte und volkreichste europäische Staat hat an über­seeischen Kolonisationsbemühungen bislang keinerlei Anteil genommen. Doch hat Rußland, nachdem es unter Peter dem Großen am Baltischen und Schwarzen Meer Fuß gefaßt hatte, bald das Bestreben gezeigt, auch einen allezeit brauchbaren Zugang zum Ozean, zum Atlantischen und Mittelmeer, zu ge­winnen. In letzterer Richtung galt es zugleich, eine alte national-religiöse Mission des russischen Volkes, die Vertreibung des Islam aus Konstantinopel, zu erfüllen. Der für Rußland uicht allzu befriedigende Ausgang des türkischen Krieges von 1877/78 hat dieses Bestreben etwas zurückgedrängt. Man hat sich in eine andere Bahn geworfen, die schon im 16. Jahr­hundert betreten worden war, die Ausbreitung nach Osten und Südosten. Und in dieser Richtung hat das 19. Jahrhundert dem russischen Reiche glänzende Erfolge gebracht. Von der Türkei und Persien erzwäng es die transkaukasische» Gebiete, die nach der in 30 jährigem Kampfe (182959) vollbrachten Niederwerfung der Tscherkessen als ebenso festes wie reiches Besitztum angesehen werden können. Persien hat man schon in den 3V er bis 50 er Jahren als Vorkämpfer gegen Afghani­stan und Indien zu verwenden gesucht und versügt dort heute über einen maßgebenden Einfluß. Als die persische Route sich schwer gangbar erwies, betrat man entschlossen einen anderen Weg. Nach Unterwerfung der Kirgisensteppe wurde in den