134
Das IS. Jahrhundert.
die stärkste Bevölkerungszunahme aufzuweisen. Sein naturliches Expansionsgebiet wäre die gegenüberliegende Küste Afrikas gewesen. Daß die Franzosen 1881 Tunis okkupierten, wnrde in Italien als eine schwere Kränkung empfunden und ward Anlaß zu derAnnciherung an Deutschland und Osterreich, die zum Dreibunde führte. 1885 besetzten die Italiener Massaua und suchten ein Protektorat über Abessinien zu gewinnen, was nach empfindlichen Zwischenfällen und Rückschlägen 1889 gelang. Aber die Niederlage von Adua (in der abessinischen Nordprovinz Tigre) im Jahre 1896 zerstörte alle Hoffnungen auf größere Erfolge, zwang, auf Abessinien zu verzichten und sich mit dem Küstenlande, einem der heißesten Striche der Erde, zu begnügen. Seitdem ist die italienische Kolonialpolitik fast ausschließlich im Kielwasser der englischen gefahren, ihr mehrfach geradezu dienstbar geworden. Die so erlangte Somaliküste kann zunächst nur als ein Erwerb von fraglichem Werte erscheinen. Aus seiner „erythräischen" Kolonie hat Italien bis jetzt kaum andere Vorteile gezogen, als den Titel ihres Besitzes.
51. Die Aufteilung Afrikas.
Bis tief ins 19. Jahrhundert hinein hat sich europäische Kolonisation in Afrika nur mit den Küstengebieten beschäftigt. Auch als seit der Mitte des Jahrhunderts englische, deutsche, französische Forscher bis in sein innerstes Innere drangen und seine geographische Struktur in ihren Hauptzügeu aufdeckten, ist man nicht sehr eilig gewesen, neue Besitztitel zu erwerben. Es bildeten sich Handelsgesellschaften, das erweiterte geographische Wissen merkantil auszunutzen, besonders 1878 auf des kühnen, doch skrupellosen Stanley Anregung unter der Führung des Königs der Belgier die Kongo-Gesellschast. Die Auffassung änderte sich mit einem Schlage, als Deutschland in diesem an herrenlosem Boden noch reichen Erdteile seine ersten'