Das neue französische Kolonialreich,
127
kehr zu erblicken. Die Erfahrung, daß der Warenaustausch mit den Vereinigten Staaten sich außerordentlich hob, als sie dem Mutterlande unabhängig gegenüberstanden, daß dieses Vorteile erntete, an die es früher nie hatte denken können, ist nicht unbemerkt vorübergegangen. Die Anschauungen über die zu befolgende allgemeine Handelspolitik haben in England um die Mitte des Jahrhunderts eine vollständige Wandluug erfahren. Auf ihre eigene Haltung im internationalen Verkehr üben die Kolonien selbst einen weitreichenden Einfluß. Viel fester als früher sind so die Bande geworden, die Stammland und Siedlungsgebiete miteinander verknüpfen. Die empfindlichste Stelle ist und bleibt Indien, wo trotz segenbringender Neuerungen des englischen Regiments das Gefühl, von Fremden ausgebeutet zu werden, sich nicht verlieren kann, und wo gerade die gegen früher so viel größere Freiheit der Bewegung der Devise „Indien für die Jndier" das Leben gegeben hat. Im einzelnen kommt mancher Akt auf Rechnung der englischen Kolonialpolitik, der mit den Geboten der Menschlichkeit und Rechtlichkeit in schroffem Widerstreit steht, aber in der Beurteilung der Gesamtentwicklung kann das Segensreiche, Recht und Gesittung Fördernde nicht verkannt werden, und der Vorteil für die Nation steht hoch über allen Zweifeln. Sie hat unleugbar ein gewaltiges, ein unübertroffenes Stück Kulturarbeit geleistet und die Früchte ihrer Arbeit in reicher Fülle geerntet.
48. Das neue französische Kolonialreich.
Aus den schweren Krisen zu Beginn des Jahrhunderts hatte Frankreich nichts gerettet als einige Posten in Ostindien, Reunion, ein Stück Guayana und ein paar Inseln in Westindien, an der Küste Westafrikas und Neufundlands. Heute besitzt es ein Kolonialreich von über sechs Millionen O-uadrat- kilometern mit mehr Bewohnern, als es selber zählt.