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Kolonialgeschichte / von Dietrich Schäfer
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England in Australien und Südafrika,

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spricht und den Präsidenten zum Bericht auffordert, unter welchen Bedingungen dieses Gebiet annektiert werden könne. Die Übernahme der finanziellen Verwaltung San Domingos ist ein weiterer Schritt zur vollen Beherrschung aller Wege, die aus dem Atlantischen Ozean zur Landenge führen. Eng­land und die Welt haben zu alledem geschwiegen. Auch die chinesischen Verwicklungen anläßlich des sogenannten Boxer­aufstandes (1900/01) haben gezeigt, daß über koloniale Fragen nicht mehr entschieden werden kann, ohne daß die Union mit­spricht, und daß sie mitspricht so ausschließlich und so rücksichts­los nach Maßgabe ihres eigenen Interesses, wie das in der europäischen Diplomatie kaum je üblich war. Daß auf Grund der Monroe-Doktrin Ansprüche erhoben werden auf eine wirtschaftliche und politische Suprematie der Vereinigten Staaten über ganz Amerika, ist bekannt. Die Konflikte, in die Venezuela 1895 mit Englaud, 1902/3 mit England und Teutschland und gegenwärtig mit Frankreich geraten ist, zeigen deutlich, daß die europäischen Mächte kaum noch wagen, ihre Interessen gegen Willkür snd- und mittelamerikanischer Staaten zu vertreten, wenn sie der Billigung ihrer Schritte durch die Union nicht sicher sind.

45. England in Australien und Südafrika.

Daß das mächtige Emporwachsen der Vereinigten Staaten die europäische Kolonisation in eine andere Richtung drängte, mußte sich zunächst in Englands Haltung zeigen. Es hat wenige Jahre nach dem Verlust seiner besten amerikanischen Be­sitzungen eine ganz neue Kolonialwelt betreten, die australische, deren geographische Gestaltung nicht lange zuvor durch Cooks Fahrten neues Licht erhalten hatte. 1787 ward an der Botnny-Bai, da wo jetzt Sydney liegt, eine Verbrecherkolonie angelegt, das erstemal, das versucht wurde, die Kolonisierung im Dienst der Rechtspflege zu verwenden. In den 50 Jahren