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Kolonialgeschichte / von Dietrich Schäfer
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sehr erleichterte Verkehr bot dein einzelnen früher nie ge­kannte Möglichkeiten, seinen Wohnsitz zu wechseln, Änderung und Besserung seines Loses außerhalb der Heimat zu suchen. Die politische Freiheit, die das Jahrhundert dem größten Teil der europäischen Menschheit errang, vermehrte diese Möglich­keiten. So hat der Erdteil eine Auswanderung erlebt, die beispiellos dasteht in der Weltgeschichte. Der Wunsch, sie der eigenen Nationalität zu erhalten, ihr die Verbindung mit dem heimischen Staatswesen zu bewahren, gab Antrieb zur Grün­dung neuer, zur Erweiterung bestehender Kolonien. Die Not­wendigkeit, sür die so sehr gestiegene Produktion und den nicht minder gewachsenen Zufuhrbedarf die Absatz- bzw. Bezugs­gebiete auszudehnen, sie sich möglichst zu sichern, brachte dem Kolonialgedanken weitere Kraft. Im 19. Jahrhundert ist mehr kolonisiert worden als fast in der gesamten Vorzeit.

43. Die Auswanderung.

Ihr Verlauf und ihre Wirkungen zeigen sich am deut­lichsten in der Entwicklung der Bereinigten Staaten. Als sie sich von England lösten, hatten sie etwa 3 Millionen Ein­wohner, nach der Zählung von 1900 76 Millionen. Es wird berechnet, daß in dieser Zeit mindestens 20 Millionen Menschen in die Union eingewandert sind, darunter über 18 Millionen aus Europa; die Zahl ihrer im Auslande geborenen Ein­wohner betrug im Jahre 1900 über 10 Millionen. Obgleich die natürliche Vermehrung der Bevölkerung in den Vereinig­ten Staaten eine sehr starke gewesen ist, sich zeitweise bis auf zwei und mehr Prozent im Jahre belaufen hat, kann es doch gar keinem Zweifel unterliegen, daß der weitaus größte Teil ihrer gegenwärtigen Einwohner, vier Fünftel oder mehr, von Leuteu abstammt, die zur Zeit der Begründung der Union noch nicht auf ihrem Boden ansässig waren. Ähnliche Verhält­nisse zeigen sich in Australien, Kanada und Südafrika. Anstra-