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Kolonialgeschichte / von Dietrich Schäfer
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Das 19. Jahrhundert.

schweren Schäden, die ihnen durch Volksart und Geschichte in der schon gekennzeichneten Weise eingeimpft sind. Ob sich die Elemente eines gesunden Staatslebens, wie sie in den Grün­dungen germanischen Ursprungs lebendig sind, in den alten spanischen und portugiesischen Kolonien überhaupt jemals triebkräftig herausbilden werden, kann erst die Zukunst lehren. In seiner Botschaft an den Kongreß über Panama vom 7. Dezember 1903 wies Präsident Roosevelt darauf hin, daß Colmnbia in den letzten 57 Jahren 53Revolutionen erlebt habe.

41. Die Monroe-Doktrin.

Gleichzeitig mit deu FreiheitWmpfen im romanischen Amerika hatten sich die Völker der Pyrenäischen und Apen­ninischen Halbinsel erhoben, konstitutionelle Verfassungen zu erkämpfen. Die Mächte der Heiligen Allianz waren 1821 in Laibach, 1822 in Verona zusammengetreten, diese Bewegun­gen niederzuwerfen und die erschütterten Throne wieder zu befestigen. In Italien geschah das 1821 durch die Österreicher, in Spanien 1823 durch die Franzosen. Es fehlte nicht an Neigung, das Verfahren auf das zu der verhaßten republi­kanischen Regierungsform übergehende spanische Amerika aus­zudehnen. Darin sah die nordamerikanische Union eine Ge­fährdung ihres Bestandes. Ihr Leiter, James Monroe, da­mals zum zweiten Male Präsident, entschloß sich im Te- zember 1823 zur Proklamation der nach ihm benannten Doktrin. Sie erklärte als Jahresbotschaft an den Kongreß, daß die Union das Einschreiten europäischer Mächte in Amerika nicht dulden werde, auch nicht die Übertragung euro­päischer, was natürlich sagen wollte, monarchischer Regieruugs- formen auf diesen Erdteil, daß Amerika überhaupt kein Koloni­sationsgebiet mehr sei für europäische Mächte. Monroe würde diese Erklärung kaum gewagt haben, wenn nicht, mit dem erneuten Eintritt Ccmnings ins englische Kabinett, Groß-