KoloniahwlMsche Fragen.
(Avgedr, nus der „Deutschen Rundschau" vom Juli 1900.)
Tie letzten Wochen haben innerhalb und außerhalb Teutschlands eine Anzahl von Ereignissen gezeitigt, die sür die Beziehungen des Reiches znr AtlßetNvelt nue für seine innere Entwickelung von nurßgebendem Einfluß sein tonnen. In erster Linie steht, nicht wegen seiner thatsächlichen, sondern wegen seiner symptomatischen Bedeutung, der Ausbruch der Borer-Unruhen in China. Es ist nicht das erste Mal, daß im Reiche der Mitte fremde Niederlassungen nnd eingeborene Christengemeinden bedroht und angegriffen worden sind; das Massaere von Tientsin 1870, die wiederholtem Unruhen in Folien, Kwangsi nnd Szechnan, die Christenverfolgungen im Jangtfethal 1891, der Aufstand in der Mongolei 1892 nnd viele andere derartige Vorkommnisse sind mit blutigen Lettern in die (beschichte der Beziehungen zwischen Chiua uud dem Auslande eingetrogen. Aber wenn bisher der Haß gegen den Fremden, die Fnrcht vor chm den Vorwand zu solche» Vort'ommuisseu abgabeu, so siud dieselben Gesichle, uud da5 ist da«? Bedauerliche und Bedrohliche, diesmal der Grund sür die Amöschreitnngen, deren Schauplatz die Provinz Chili ist, nnd die unter dem Ruf: „Vertilgt die Fremden!" in Seene gesetzt werden. E^ ist ein Grundzug der modernen Ge- schicht^eunvickeluug, daß sie schneller als in früheren Zeiten und darum rücksichtsloser mit den Schranken ausräumt, tziuter denen Tummheit, Trägheit uud Trotz sich gegeu ihren belebenden Eiu- M. v. Brandt. Zeitfragen. 25