Kiaotschau.
(Abgedr. aus der „Deutschen Ruudschau" vom Februar 1898.)
Seitdem die deutsche Flagge in der Bucht von Kiaotschau Weht, ist viel Tinte über die Frage vergösset: worden, ob der Schritt der deutschen Regieruug für China den Anfang vom Ende, d. h. den Beginn der Theilung des Reiches, bedeute. Die- jeuigeu, welche diese Ansicht vertreten, scheinen ganz vergessen zu haben, daß China nahe an vierhundert Millionen Einwohner zählt, die trotz aller lokalen und provinziellen Verschiedenheiten dem Auslande gegenüber eiu kompaktes Ganze bilden, das bis jetzt allen Invasionen uud Eroberungen widerstanden und die fremden Eindringlinge und Herren unter das Joch seitler eigenstem Civilisation zu zwingen verstanden hat. Sie vergessen, daß keine der iu Frage kommeuden Mächte die Mittel an Geld und Meuschen besitzt, um einer solchen Aufgabe auch uur mit einiger Aussicht auf Erfolg näher treten zu köuuen. Seit dem Tage, an welchem 1639 die Engländer bei dem jetzigen Madras eiueu schmalen Landstreifen erwarbeu uud auf demselben das Fort St. Georg erbauten, bis heute, da sie der die Gebirge an der Nvrd- grenze bewohnenden wilden Stämme vergeblich Herr zu werden versuchen, siud 259 Jahre verslvsseu, uud Judieu, das 1897 kaum 270 Millioueu Eiuwohuer zählte uud ungefähr fiiuf Mil- lioueu Quadratkilometer weniger mißt als China und Tibet, war von Stämmen bewohnt, die, nach Rasse und Religiou verschiedeu, der Eroberer eiueu gegeu den auderu ausspielet! kouute. Chiua