Was man aus der Geschichte lernen Könnte.
(Abgedr, aus der „Deutschen Revue" vom August 1900.)
Die jüngsten Ereignisse in China, die mit so überraschender Schnelligkeit und Gewalt hereingebrochen sind und so furchtbare Folgen gezeitigt habeu, sollten, wenn die Menschen überhaupt aus solchen Vorgängen etwas lernen tonnen, allen nnd ganz besonders der öffentlichen Meinung, die ja die Quiutcsseuz der Weisheit der Meuge sein soll, beweiset:, wie wenig sie im Allgemeinen und im Besonderen von den Dingen verstehen, die sich außerhalb ihres gewöhnlichen, recht beschränkten Gesichtskreises abspielen. Chiua wurde nach dem Ausgang des Krieges mit Japan als ein todter Körper augesehen, an dem jedes Experiment ohne eigene Gefahren gemacht werden könne, uud ein besondere scuilletonistisch veranlagter „eigener Korrespondent" glaubte in dem Tritt der iu Peking einziehenden Schutzwacheu der fremden Gesandtschaften schon vor zwei Jahren das Ticken der Todesuhr des großen Reichs zu vernehmen. — Dabei standen und stehen jetzt iu Tientsin, nnr drei Märsche von Peking entfernt, öder 12 000 Mann europäischer Soldaten mit mehr als 90 Feld- und Maschiueugeschützeu, während in der Hauptstadt die diplomatischen Vertreter von ncuu großcu Mächten und tauseud Männer, Frauett uud Kiuder nach mehr als vicrzehntä'gigem heldenmütigem Widerstande abgeschlachtet wurden, ohne daß ihnen die erflehte Hülse gebracht werden konnte. Im ganzen Reiche, zuerst iu deu an den Hauptsitz der frcmdenfeindlichen Bewegung, Peking nnd West- und Nord-Chili grenzenden Provinzen regt es sich, nnd