Die Diplomatie der Großmächte und die Wirren in China.
(Abgedr. aus der „Deutschen Revue" vom Juli 1900.)
Vom Jahre 1870 bis zum Beginn des chinesisch-japanischen Krieges läßt sich die Diplomatie der Großmächte in China im allgemeinen als die gemeinsame Vertretung gemeinsamer Interessen bezeichnen. Die Erfolge, die aus diese Weise erzielt wurden, hatten, wenn sie auch uicht gerade sehr bedeutend oder sehr auffallend genannt werden konnten, unzweifelhaft das Gute, einerseits die chinesifchc Regierung an einen langsamen Fortschritt zu gewöhnen und andrerseits die einzelnen Vertragsmächte oder ihre Vertreter vor der Versuchung von Eifersüchteleien untereinander und Hetzereien gegeneinander zu bewahren. Wo einzelne Vertreter sich vou dieser gemeinsamen Aktion lossagten, hatten sie der Regel nach keine besonderen Erfolge zu verzeichnen, fo der englische Gesandte 1875—76, als er versuchte, aus der sich aus der Ermordung Margary's ergebenden Lage ausschließlich englische und persvuliche Konsequenzen zu zieheil oder die Vertreter Rußlands und Frankreichs, als sie sich in der Audienzfrage von den Gefandteu der anderen Mächte trennten. In dem ersteren Falle protestirten die audereu Gesnudteu gegen einen Theil der getroffenen Abmachungen, die deuu auch vou der eug- lischeu Regierung uicht ratifieirt wurdeu, während in dein letzteren die Chinesen auf ihrem uegirendeu Standpunkt verharrten, bis
M.V.Brandt, Zeitfragen. 18