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Zeitfragen : die Krisis in Südafrika ; China ; Commercielles und Politisches ; Kolonial-Fragen / von M. von Brandt
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Vom chinesischen Zopfe und dem was daran hängt.

(Abgedr. aus derDeutschen Revue" vom April 1900.)

Mit den Zöpfen ist es ein eigenes Ding. Wenn man denen glauben wollte, die Geschichte schreiben nnd die glücklicherweise nur selteu berufeu siud, sie zu machen, so hätte die Morgenröthe des neunzehnten Jahrhunderts das Grab des Zopfes beschieueu, oou dem uur ewige weuige Exemplare, wie zum Beispiel der des seligen Bundestages in stiller Verborgenheit ein beschaulichem Leben weitergeführt, bis auch ihueu die Stürme der sechziger Jahre das kümmerliche Lebenslämpchen ansgeblasen hätten. Greift man aber ins Leben hinein nnd wendet sich an die Lente, die nicht in den Bibliotheken leben, fondern auf den Straßen und aus dem Markt, im Rathhause uud in der Gerichtsstube, dann hört man nur zu oft das mit grimmigem oder wehmüthigem Achsel­zucken begleitete Wortder alte Zopf!" uud man kommt bald zu der Ueberzeugung, daß das viel geschmähte Anhängsel, von dem man vergessen hat, daß es einst auf dem Rücken des größten Herrfchers tanzte, den Preußen je geseheu, uud auf dem der Grenadiere, auf deren Schultern das Vaterland fo sicher ruhte, wie die Welt auf dcneu des Atlas, weun es auch äußerlich der Scheere zum Opfer gefalleu, innerlich desto frifcher lebe, blühe und gedeihe.

Da sind die Chinesen zu lobeu als viel ehrlicher und logischer. Der Zopf, der ihueu hinten hängt, und der für sie nicht das