Tsze-Hsi.
Kaiserin-Regentin von China, und der Staatsstreich in Peking.
(Abgedr. aus der „Deutschen Rundschau" vom Februar 1899.)
Zum dritten Male in siebcuunddreißig Jahren hat die merkwürdige Frau, deren amtliche Bezeichnung „Elterliche Liebe- Glückseligkeit" bedeutet, da5 Ruder des chinesischen Staatsschisfe^ ergriffet!, unter Umständen, die noch schwieriger erscheinen als die, in deuen sie 1861 zum ersten Male als Mitregentin austrat. Bei der Bedeutung, die das Urtheil der öffentlichen Meinung für die weitere Entwickelung der Beziehungen zu China und das Schicksal des Reiches selbst haben muß, dürfte es wohl auch von Interesse sür weitere Kreise sein, weuu iu Nachfolgendem der Versuch gemacht wird, die innere Geschichte Chinas während der letzten dreißig Jahre, mit der die Kaiserin-Regentin auf da5 Engste verknüpft ist, aus reiu historischer Grnnd- lage darzustellen, unbeirrt vou alleu Fabeln uud Verleum- duugeu, mit der Unwissenheit oder Parteihaß sie zu umgeben bestrebt siud.
Als Kaiser Hienseng, der 1851 zur Regieruug gekommen war, am 21. August 1861 zu Jehol starb, wohin er sich vor der englisch-französischen Armee geflüchtet hatte, hinterließ er einen Sohn, den späteren Kaiser Tungchih, und zwei'Kaiseriunen, von denen die eilte, seine rechtmäßige Gemahlin, in der chinesischen Geschichte der letzten Jahrzehnte als die östliches Kaiserin, die
*) Nach dem chinesischen Ceremoniell ist der Wirth nach Süden gewendet: der erste Ehrenplatz ist ans der Seite der aufgehenden Sonne, östlich, also links von ihm, der zweite aus der der untergehenden, westlich, rechts.