Die Transvaalfraue vom deutschen Standpunkte.
(Abgedr. aus der „Deutschen Revue" vom December 1899.)
Für die Beurtheilung der Transvaalfrage, uicht mir vom deutscheu Standpunkt aus, sind zwei Gesichtspunkte maßgebend, der ethische und der politische: in der Verwechslung und Vermischung dieser beiden Gesichtspunkte liegt der Grund der bei der Beurtheilung der Frage so vielsach zu Tage tretenden Unklarheit und Verwirrung. Die Boeren habeu sich mit eignem Schweiß und Blut iu hartem Kampf mit der Wildnis; nnd ihren Bewohnern eine Heimath erobert, nnd es ist selbstverständlich, daß ihnen bei der Bertheidignng derselben gegen englische Gelüste die Sympathien der ganzen gesitteten Welt zu Theil werden. Daran kann auch die wohl nicht abzulenguende Thatsache einer recht verbesserungsbedürftigen Verwaltung nichts ändern. Seit der ersten Annexion Transvaals durch Euglaud im Jahr 1877 haben sich die euglischen Versuche, sich der Regierung des Landes in einer oder der audern Weise zu bemächtigen, wiederholt erneuert, uud mau hat wohl nicht Uurecht, wenn mau uuter den Beweggründen dieser Machenschaften neben imperialistischen Tendenzen britischer Staatsmänner und Kabinette, das heißt dem Gedanken der Grnndnng eines uuter englischer Oberhoheit stehenden Staaten- buudes in Südafrika, mehr oder weniger uueiugestehbare Begehrlichkeiten englischer Kapitalisten, Mineubesitzer nnd Adven- turers sucht, nm für Mr. Cecil Rhodes und Genossen dieselbe Bezeichnung zn gebrauchen, die eiust den Gründern des englischen Reichs iu Ostindien amtlich zu Theil wurde. Jamesou's Eiusall in Trausvaal, die fast vollständige Straflosigkeit der au dem-
M. v- Brandt, Zcitfragen. 4