Die Lage im Transvaal.
(Abgedr. aus der „Deutschen Rundschau" vom September 1899.)
Die Zwistigkeiten zwischen England und der Südafrikanischen Republik, die in der letzten Zeit zn einer dauernden Veranlassung allgemeiner Beunruhigung geworden sind, entspringen, wenn man sie von einem unparteiischen Standpunkt aus betrachtet, dem Wunsch der britischem Regierung uud der englischen öffentlichen Meinung, die englische Rasse als die vorherrschende oder richtiger als die allein herrschende in Südafrika zu fehen. Die jüngsten Ereignisse dort siud daher wenig mehr als eine Fortsetzung oder Wiederaufnahme der früheren englischen Persuche, den Plan einer südafrikanischen Konföderation mit imperialistischer Tendenz uud Leitung durchzuführen. Auch daß dieS seitens eines konservativen Vnibiuets geschieht, entspricht durchaus srühereu Erscheinungen: neu ist unr, daß als spiritrrs reotor der jetzigen Bewegung ein Mann austritt, der Minister der Kolonien, Ehamberlain, der 1881 als Mitglied des liberalen >labiuets Gladstone, die 1877 von dem kvnservativen Kabinet Beaconssield verfügte Einverleibung Transvaals rückgängig gemacht hat. Aber dieser Front- wechsel einer energischen und rücksichtslosen Persönlichkeit entspricht durchaus der in immer größerem Umfange und schärferer Form hervortretenden imperialistischen Strömnng, in der von vielen englischen Staatsmännern die beste Garantie sür die Sicherheit und den Fortbestand des britischen Reiches gesehen und gesucht wird, wenngleich die mit Canada, der ersten ans dieser Grundlage gebildeten Konföderation, gemachten Erfahrungen etzer auf centrifugale Tendenzen solcher Staatengebilde als auf das Gegentheil fchließen lassen dürsten. Auch die während des