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abeuds Uhr, vor der Tembe der Sultanin Tan an. Die Tore waren geschlossen und wurden auch, trotz aller Hornsignale, nicht geöffnet. Schüsse wollte ich uicht abgeben lassen, um nicht durch ein Mißverständnis, wie es in Afrika schon oft vorgekommen ist, ein Gefecht hervorzurufen. Müde, hungrig und verdrießlich wartete ich in der Dunkelheit noch eine Weile. Da aber drinnen keine Anstalt zum Öffnen gemacht wurde, so befahl ich die Escalade. In einem Nu war die Riugtembe erstiegen und ihr Eingang freigelegt. Als sich die Tore aufgetan hatten, zog ich friedlich in den Ort ein. — Die Sultauiu behauptete, sie habe schon geschlafen und von den Signalen nichts gehört.
Mit einer ganzen Herde des mir unterwegs zum Uuter- halt der Karawane vou den Häuptlingen geschenkten und seitens der Mannschaften nicht verbrauchten Schlachtviehs traf ich am Sonntag, den 30. Jnni, wieder in Tabom ein.
Rhinoceros bicorms.
Durch das wasserreiche Port des Seengebiets zog in den kühlen Nachmittagsstnnden eines Augusttages eiue Gouvernementskarawane langsam ihres Weges dahin. An ihrer Spitze marschierte mit füuf Soldaten der Expeditiouschef, der sich sein Reittier durch einen Bnrschen nachführen ließ. Behaglich sog der Europäer die balsamische Luft des ostafrikanischen Waldes in sich ein, uud lauschte mit Vergnügen den langgezogenen Tönen der Bulbul, die im nahen Dickicht ihr fesselndes Lied sang. Der Pfad führte bald durch Bosketts und Gebüsche, die sich wie Laubengänge über dem Haupte des Wanderers wölbten, bald über frischgrüne Lichtungen und Wiesen, die es dem Blick gestatteten, bis zu den in blauer Ferne liegenden Gebirgen zu schweifen. Die Poribäume zeigten zum Teil ein vielfarbiges Blattwerk, wie man es bei uns in Deutschland zur Herbstzeit sieht. In ihren Kronen trieb eine Menge von buntgefiederten Vögeln ihr Wesen. Hier und da flatterte mit schrillem