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gefallen sei. Dieser in der menschenleeren Steppe liegende, einsame Begräbnisplatz machte einen tiefen Eindruck auf mich und berührte mich um so eigentümlicher, als infolge der Schilderung des Soldaten meine Phantasie noch mit Bildern von Krieg und Streit, von Not und Tod ganz erfüllt war. — War nicht auch der Boden unserer Kolonie mit Blut gedüngt? —
Übrigens ist auch der brave Abdulcher Farrag, der so glücklich alle Fährnisse der Feldzüge iu Egypten, im Sudan, und in Deutsch-Ostafrika überstanden hatte, bald darauf ein Opfer seiner Soldateupflicht geworden. Als ich im August l896 aus dem Innern nach Dar-es-Salaam zurückkehrte, erfuhr ich von einem meiuer ehemalige!? farbigen Unteroffiziere, daß Abdulcher Farrag, der inzwischen Betschauisch (Sergeant) geworden war, in einem kleinen Buschgefechte als einziger Toter gefallen sei. — Das war also sein Kismet.
Gnbora.
Sengend brannte an einem heißen Dezember-Morgen, Mitte der neunziger Jahre, die Tropensonne auf die Ortschaft Tabora im Innern Ostafrikas herab. Trotzdem es erst zehn Uhr war, so machte sich doch die Wärme schon recht fühlbar. Und wer gezwungen war, die Straße zu betreten, beeilte sich, in den Schatten der Häuser oder Banmgärteu zu gelangen. Nur die kecken Siedel-Sperlinge flatterten, unbekümmert um die vom Himmel heruiederschießenden Strahlengarben, auf der die Kaiserliche Station umgürtenden Esplanade herum, und taten sich gütlich au deu Reis- und Matama-Köruern, die von irgendwelchen Karawanen dort verschüttet worden waren. Auch eine zierliche afrikanische Bachstelze betrieb, eifrig hin- und herrennend, auf dem Platze die Jagd auf Kerbtiere; wobei sie jedoch immerhin Muße genug fand, um zeitweise, trillernd und -rollend wie ein Kanarieuhähnchen, ihr aumntiges Lied zu fingen.