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Lindi
im Krieg und Frieden. 1.
Nach der Einnahme von Kilwa fuhren wir am Nachmittage des 9. Mai auf einer aus den Kaiserlichen Kreuzern Karola und Schwalbe, dem Sansibarschiff Barawa, und den Reichskommissariats-Dampfern Vesuv und München bestehenden Flottille uach dem von den Aufständischen besetzten Orte Lindi ab, wo wir am 10, Mai vormittags eintrafen. Während die Schiffe: Schwalbe, Barawa, Vesuv und München, gleich nach unserer Ankunft in den Kriek einliefen und dicht vor der Stadt ankerten, blieb die Karola, ihres größeren Tiefgangs wegen, in der Bucht liegen, um von dort aus mit ihren Kauonen unseren Angriff zu unterstütze:?.
Die Stadt Lindi, die ich damals zum ersten Mal erblickte, lag an der Mündung des sich in den Indischen Ozean ergießenden Flußes Lukuledi, und zwar in einem engen, von nicht uubedeuteudeu Hügelketten begrenzten Tale.
Wenn Lindi auch nicht von großer Ausdehnung war, so machte es doch, wie die meisten afrikanischen Küstenplätze mit seiner aus Haiueu von Kokospalmen, Mango- und Orangenbäumen bestehenden Umgebung eiuen äußerst freundlichen Eindruck. Eine Reihe von weißen Steingebäuden blitzte uns aus dem dunkelen Grün der Baumgärten und Schcimbeu entgegen. Und eine mittelalterliche ruinenhafte, arabische Burg gab dem Bilde ein romantisches Gepräge. —
Wie es schien, gedachten die Aufständischen, sich hier wirklich zum Gefecht zu stellen. Zwischen den Bäumen hindurch sah man sie in hellen Haufen über die Straßen rennen und behufs Verteidigung der Stadt hiuter den Maueru Deckung nehmen.
Durch ewige Schüsse vou der Karola wurde das Treffen unsererseits eingeleitet. Heulend flogen die Granaten qner nn uns vorüber in die Stadt hinein, um dort mit dumpfem Schlage
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