— 290 —
Deutschtum weit stärker geltend. Hier sind es die drei Sprachinseln: C/.ernowitz, Moldauisch-Kimpohmg und Sn- czawa, in denen wir unsere Landsleute zu suchen haben, also gerade im rumänischen Teile der Landschaft. Die Deutschen beschäftigen sich meistenteils mit Ackerbau und zeichnen sich da durch ihren Fleiss und ihre Arbeitsamkeit aus, doch linden wir eine ansehnliche Zahl auch unter den Handwerkern. Die letzteren wohnen namentlich in Czernowitz, in dessen Umgebung sich gleichfalls viele Deutsche niedergelassen haben, und in neun anderen grösseren Orten. Kaiser Joseph II. hat Westdeutsche hierher geführt, welche sieben Ortschaften anlegten, dann wanderten in neuerer Zeit Deutsch- Böhmen ein und gründeten vier Kolonien. Endlich sind aus Bayern and Osterreich Bergleute hergezogen, welche in 12 Ortschaften die in deren Nähe liegenden Berg- und Salzwerke bearbeiten. Wie in Gralizien, so dürfen wir auch hier einen starken Procentsatz des als deutschredend aufgeführten Elementes auf Rechnung der Juden schreiben, welche sich in diesem Kronlande überwiegend der deutschen Sprache bedienen. Im Jahre 18G1 standen 40 000 Deutschen nicht weniger als 32 000 Juden gegenüber, in Czernowitz 1857 den 7600 Deutschen 4700 Juden; wir müssen daher auch heut von der genannten deutschsprechenden Bevölkerung von 108 820 Seelen annehmen, dass sie zum sehr grossen Teile dem jüdischen Elemente angehört.
Die Deutschen in Rumänien.
Die beiden Fürstentümer, aus welchen das neugeschaffene Königreich an der unteren Donau zusammengesetzt ist, wurden bekanntlich in den frühesten Zeiten von germanischen Stämmen bewohnt. Noch jetzt vermögen wir in den blondbärtigen und blauäugigen Hünengestalten mit entschieden germanischer Gesichtsbildung, welche sich in einzelnen abgeschlossenen Thälern der rumänischen Karpaten vorfinden, die Nach-