für europäische Naturen, um längeren Aufenthalt oder gar schwere Arbeit ungestraft zu gestatten.
Aber schon seit einer längeren Reihe von Jahren hat die deutsche Auswanderung die südlicheren Teile des Halbkontinentes aufgesucht, sodass wir heute nicht allein in Brasilien, auch in Uruguay und Argentinien, in allemeuester Zeit auch in Paraguay, in Chile und Peru deutsche Ansiedelungen vorfinden, welche fast sämtlich bei zunehmendem Gedeihen den erfreulichen Beweis liefern, dass der Deutsche hier nicht nur die Bedingungen für eine erspriessliche materielle Entwicklung findet, dass dieses Gebiet auch, ungleich anderen, ihn weniger der Gefahr aussetzt, seine eigene Nationalität einzubüssen und in den ihn umgebenden Völkerschaften aufzugehen.
Die deutschen Kolonien in Brasilien.
Es ist ein ungeheures Areal, welches dieses Kaiserreich beansprucht; das Deutsche Reich gebietet nur über den fünfzehnten Teil der Gesamtfläche jenes, dabei stehen die beiden Bevölkerungen in dem Verhältniss von neun bei uns zu zwei dort drüben. Es ist also dort noch Raum für viele Millionen. Denken wir aber dabei an deutsche Naturen, so haben wir bedeutende Abzüge zu machen.
Die Nordgrenze des Kaiserreichs ist der vierte Grad nördl. Breite; es hegt also bei weitem der grösste Teil des zugehörigen Areals noch im Bereich der Tropen. Bei einer Temperatur, welche in der Landeshauptstadt im Mittel 26,5 0 C während des Sommers und 21,4° C. während des Winters beträgt, ist hier kein Aufenthalt für den Europäer, der sich mit anstrengenden Arbeiten befassen muss, zumal die Regenzeit gerade in die heissesten Monate fällt. In den höher liegenden Gebirgsgegenden des Westens sinkt das Thermometer aber häufig unter Null; dasselbe geschieht auch in den