Die Deutschen in Centraiamerika.
Der centrale Teil Amerikas hat für Deutsche bisher wenig Anziehung auszuüben vermocht. Das hegt weniger an den geographischen, speziell den klimatischen Verhältnissen, als an den wenig Vertrauen einflössenden Gewalten, in deren Händen die Regierung dieser Länder ruht. Denn mögen immerhin die niedrigen und sumpfigen Küstenstriche auf die Gesundheit des Europäers verderblich wirken, die weithin sich streckenden Hochebenen des Inneren könnten ihm jede Bedingung zu behaglicher Existenz gewähren. Deutsche Ansiedler, welche sich mit der Bodenkultur beschäftigen, wie es das Gros unserer Auswanderer ja immer hebt, giebt es daher in diesen Gebieten nicht, wohl aber ist der deutsche Handelsstand in fast allen grösseren Städten durch eine oder mehrere Firmen repräsentiert.
Die meisten mexikanischen Firmen sind alt begründete Faktoreien des hanseatischen Handels; sie haben ihre Mutterhäuser in Hamburg und Bremen. In den Hafenplätzen des Golfs nehmen sie im Import- und Exportgeschäft einen hervorragenden Platz ein und an der Westküste haben sie fast die Alleinherrschaft. Das erstere gilt auch von den zahlreichen Grossstädten des Inneren. Daneben werden auch vielfach Bank- und Kommissionsgeschäfte, Textilstofffabriken, Bergwerke und landwirtschaftliche Unternehmungen aller Art von Deutschen betrieben. Die deutsche Kolonie, welche sich im ganzen Lande auf 1500 Seelen belaufen mag, steht in Bezug auf die Stellung, die man ihr zuerkennt, obenan. In der Hauptstadt wohnen gegen 500, darunter 66 Verheiratete, wovon 40 mit deutschen