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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika / nach persönlichen Berichten bearb. von Friedrich von Dincklage-Campe. Mit zahlr. Portr. und Ill. nach Orig.-Photogr. und Zeichn. von C. Becker ...
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Die Gefangenen mitnehmend, schlugen wir jetzt wieder die Richtung nach Okat- jekuri ein.

Noch sind wir über nicht ans dem Bnsch heraus, als vor uns und links von uns auf nahe Entfernung größere Hererotrupps, teils bewaffnet, teils nnbcwaffnet, auftauchten. Aus diesem Wurstkessel mußten wir heraus. Die Meldung über die Anwesenheit so vieler Hereros war jedenfalls wichtiger, als die paar schmutzigen Gefangenen. Totschießen konnten wir sie nicht, ohne alle anderen auf uns zu locken. Wir waren daher gnädig und ließen sie laufen, trabten, so gut es ging, wieder nach rechts ab und gelangten nach einiger Zeit ans freies Feld. Nach eineinhalbstündigem Ritt kamen wir wohlbehalten bei Leutnant Klinger an, und ich meldete ihm mein Zusammentreffen mit den Hereros.

Um 3 Uhr nachmittags trat ich mit dem Hottentotten und begleitet vom Leutnant Kliuger den Rückmarsch an. Tic Hcreros hatten das Gras angezündet und waren abgezogen. Jedoch gelaug es uns, einen einzelnen Herero einzufangen, von dem wir, da er Deutsch sprechen konnte, sehr viel Wichtiges erfuhren.

Abends 3 Uhr gelangte ich mit meinen beiden Begleitern nnd zwei Gefangenen wohl­behalten in Sturmfeld an.

Für mein Benehmen in der Gefahr wurde ich znm Militürchrcnzcichcn 2. Klasse ein­gegeben, die beiden Reiter belobt.

H. Schütt,

ehem. Sergeant der 2. Kompagnie 2. Fcldregimcnts der Kaiscrl. Schntztrnppe f. D.-Südwcstasrika.

Immer mit frischem Mut!"

Das war die Parole, mit der wir am 17. August 1904 westafrikanischen Boden betraten, und das blieb sie auch, wie das meine kurzen Schilderungen zeigen werden selbst dann, wenn's arg ungemütlich wurde, da unteu im Innern des deutschen Afrika.

Aon Swakopmnnd bis Okahandja waren elf Marschtage. Sand, Klippen, Hitze, hier nnd da Dornbusch: und das Wasser obendrein mit salzigem Beigeschmack. Am 20. Sep­tember langten wir im Kriegsgebiet bei der 10. Kompagnie 1. Feldregiments an und unter­nahmen von Otjosondjo ans den ersten Patrouillenritt. Am 24. September hatten wir bei der Wasserstelle Epata den ersten Kampf mit Hererokriegern. Mit aufgepflanztem Seiten­gewehr undHurra!" jagten wir den Feind in die Flucht und 1200 Stück Vieh war die Beute. Ich führte als Reiter selbständig einen Transport von 600 Stück nach Otjinene, immer mit frischem Mut!

Am 6. November, 20 Kilometer südlich Otjosondjo, machte ich im Gefecht meine ersten Gefangenen.

Am 8. Dezember 1904 galt es, Wasser zu suchen; 75 Kilometer durch tiefen Sand, ohne Weg; zum Überfluß erkrankte unterwegs mein treues Streitroß. Ich führte es, der Patrouille folgend, ungefähr 15 Kilometer am Zügel dann Durst. Ich dachte an den Vers: Bald mußte der Reiter die Mähre tragen!" Bei der Ankunft an der Wasserstelle kein Wasser! Kaum brachte die trockene Zunge über die Lippen:Immer mit frischem Mnt!" Aber etwas half der Selbstzusprnch doch. Um 12 Uhr mittags kam ich an; um 4 Uhr ging die Reise wieder los. 1 ^ Tag schon ohne Wasser, nnd beim Laufen durstet man mehr als beim Reiten. Tann legte sich mein armes Tier bald hin ich blieb bei ihm, bis es sein Leben aufgab. Rings endlose Öde Sand Felsen Dornen. Also weiter ans Schusters Rappen. Ich war der letzte hinter mir die Wüste die Patrouille weit voraus; ., mit---